Rettungshundestaffel Mainz

By on 28. Juli 2017
Rettungshundestaffel Mainz - Ein Artikel aus dem Hundereporter Magazin Ausgabe 4

von links: Petra Nietschke seit 3 Jahren dabei, Birgit Speer seit 8 Jahren, Miriam Hoop seit 2 Jahren, Antonia Sieber ganz frisch

Die Rettungs-Teams Hundeführer/Hund sind auf höchstem Niveau ausgebildet. Jedes Team muss diverse Prüfungen absolvieren und die Einsatzfähigkeit in stets wiederkehrenden Prüfungen nachweisen.

Die Malteser Rettungshundestaffel in Mainz besteht aus 7 geprüften Mensch/Hund-Teams, 7 Teams in Ausbildung und 3 Helfern ohne Hund. Manche Helfer haben auch mehrere Hunde. In der Gruppe sind die Rassen Border Collie, Australian Shepherd, Weimaraner, Labrador, Ridgeback, Schäferhund, Riesenschnauzer und ein Mischling. Die gesamte Gruppe trainiert ständig, damit alle, insbesondere die Hunde, am Ball bleiben. In der Regel trainiert die ganze Gruppe jeden Samstag, je nachdem wie viele können, von 9 bis 17 oder 18 Uhr, also etwa 8 bis 9 Stunden. Am Mittwoch trifft man sich dann auf dem Hundeplatz und trainiert die Grundlagen oder man bespricht wichtige Dinge. Am Sonntag fallen des öfteren Veranstaltungen an.
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Besonders die geprüften Teams trainieren sehr intensiv, denn schließlich muss im Ernstfall alles hundertprozentig perfekt sein und außerdem muss die anspruchsvolle Rettungshundeprüfung alle eineinhalb Jahre erneut wiederholt werden. „Welche Hunde sind für eure Arbeit am besten geeignet?“, fragte ich die Leiterin Birgit Speer. „Im Prinzip sind alle Rassen geeignet, nur eben die eine mehr oder weniger als die andere. Ein schwerer Hund, wie ein Bernhardiner, hat es natürlich schwerer ein Gebiet von 30.000 Quadratmeter in 20 Minuten zu durchsuchen, als zum Beispiel unsere Hunde. Ebenso dürfte ein Dackel mit seinen kurzen Beinen oder ein ganz kleiner Hund in mancher Waldgegend oder in Trümmergeländen Probleme haben. Was wir gar nicht nehmen sind einerseits Hunde, die einen so großen Jagdtrieb haben, dass man sie nicht in den Griff bekommt, andererseits nehmen wir keine Hunde, die zu Schutzhunden ausgebildet worden sind.

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Ihnen wurde ja das Beißen beigebracht. Wir könnten zwar versuchen, so einen Hund umzukonditionieren, aber wir könnten nicht garantieren, dass er nicht doch einmal zupackt, wenn ein Verletzter, den er gefunden hat, dann mal eine falsche Bewegung macht. In dem Augenblick, in dem er diesen findet, ist er ja in der Regel mit dem Verletzten allein und wir könnten ihn nicht zurückrufen.“ „Es wäre demnach möglich, jeden Hund als Rettungshund auszubilden, aber viele würden die Aufgaben nicht so optimal erfüllen, wie es wünschenswert ist.“ „Ja. Die Nase dafür haben sie alle. Es liegt jedoch viel an der körperlichen Ausstattung, und wenn die stimmt, dann insbesondere an der Motivation des einzelnen Hundes. Wir hatten einen Border Collie, der hatte nicht so recht Lust, loszudüsen und zu suchen, und wir haben einen 45kg schweren Riesenschnauzer, der macht seine Arbeit ganz vorbildlich und engagiert. Als A und O ist die Rasse eher nebensächlich. Ausschlaggebend für die Qualität eines Hundes ist das, was der Hund selbst mitbringt, und wie ich ihn an die Arbeit heranbringen und motivieren kann.

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Ich kann und darf ihn ja nicht zwingen, sondern er muss alles freiwillig und im Spielerischen lernen.“ „Wie muss ein Hund werden, damit Sie ihn als guten Rettungshund bezeichnen?“ „Der Hund muss Interesse an der Arbeit haben. Er soll gerne in den Wald oder ein unwegsames Gebiet gehen, um verletzte Personen zu finden. Das muss er super toll finden und Spaß daran haben.“ „Das Finden resultiert ja daraus, dass der Hund mit seiner feinen Nase den Geruch aufnimmt. Wie wird ihm beigebracht, dass er seine Nase einsetzen soll?“ „Wenn wir einen Welpen ausbilden wollen, dann machen wir mit ihm Witterungs- Spaziergänge. Wir postieren Leute im Wald versetzt und gehen mit dem Hund gezielt auf die Leute zu. Dann stolpert er sozusagen über die Leute und bekommt überall ein Leckerlie. Dann wird gespielt, und das findet er toll. Irgendwann merkt der Hund, während er zu den Personen läuft: ,Ach hallo, ich riech ja da was!’. Und von da an fangen die Hunde an, die Nase hochzunehmen und dem Geruch des Menschen nachzugehen.“ „Sie haben hier einen Australian Shepherd. Bekanntlich ist er durch seine überragende Sportlichkeit als Rettungshund geeignet. Aber gleichzeitig ist er fremden Menschen gegenüber eher etwas zurückhaltend. Ist das negativ für den Rettungsdienst? Schließlich soll er hier Menschen suchen und finden.“ „Nein. Die Zurückhaltung hat eher Vorteile, denn, wenn der Hund die verletzte Person gefunden hat, muss er sich zurückhalten. Er muss zwar bei dem Verletzten bleiben und muss auch durch Bellen zeigen, wo er sich befindet, aber er muss Abstand halten.

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Viele Einsätze sind nachts und der Hund ist in unübersichtlichen Gegenden oder im dunklen Wald hundert Meter oder mehr entfernt. Man hört nur das Glöckchen, das er umhängen hat, damit man weiß wo er sich gerade befindet. Jetzt findet er die verletzte Person, und die bekommt vielleicht in der Dunkelheit Angst vor dem Hund. Sie fuchtelt mit den Händen rum und schlägt vielleicht sogar nach ihm, weil er zu nah dran ist. In dem Augenblick könnte ein schlecht ausgebildetder Hund schon mal zuschnappen. Damit das erst gar nicht passiert, hält der Hund Abstand und sucht nicht den direkten Körperkontakt.“ „Demnach muss ein Rettungshund perfekt sozialisiert sein?“ „Er muss nicht nur die normale Sozialisierung aufweisen, denn er hat mit Situationen zu tun, in die ein normaler Hund nie kommt. Er muss absolut verlässlich sein und alle Kommandos perfekt und unverzüglich ausführen. Wie gesagt, ist er meist, wenn er die Zielperson gefunden hat, alleine bei einem fremden Menschen in einer fremden Umgebung. Da darf er auch bei plötzlichen Angstschreien oder anderen Begebenheiten nicht die Flucht ergreifen. Oder wenn er bei der Suche plötzlich einen anderen Hund sieht, dann darf er nicht abdrehen um mit dem Hund zu spielen. Wir sind ja hier zu einer unserer Übungen. Sie können gerne einmal das Opfer spielen.“ Wir befanden uns auf einem riesigen Obstbaumgelände. Die Staffelleiterin Birgit Speer und das Such-Team Petra Nitschke mit Hund bekamen je ein Funkgerät, um sich während der gesamten Übung verständigen zu können. Dann entfernte sich das Suchteam irgendwohin in die Obstplantage. Ich musste mich auf einen Weg legen und sollte mich nicht mehr rühren, auch wenn der Hund mich gefunden haben sollte.

Rettungshundestaffel Mainz - Ein Artikel aus dem Hundereporter Magazin Ausgabe 4

Erst, wenn sein menschlicher Team-Partner mit bei dem Opfer, also bei mir war, sollte ich ihm aus einer verschlossenen Dose seine Leckerli geben. Die Teamleiterin Birgit Speer gab jetzt über Funk den Einsatzbefehl. Schon hörte man aus der Ferne das helle Gebimmel der kleinen Glocke am Halsband des Rettungshundes. Erst war er etwas links, dann weiter rechts, aber immer hörte man, dass sich der Hund in windeseile bewegte und immer näher an meine Position kam. Es dauerte nicht lange, da sah ich, wie er etwa 30 Meter von mir entfernt zwischen den Bäumen auf den Weg geschossen und mit fliegenden Sprüngen auf mich zugepest kam. Jetzt lieg du mal da, den Kopf ganz unten und sieh aus den Augenwinkeln, wie so ein großes Teil mit einer Mordsgeschwindigkeit auf dich zugeschossen kommt. Da hast du nur Millisekunden Zeit, um an etwas zu denken. Meine Gedanken waren: „Wenn der jetzt nicht rechtzeitig bremst, dann gibt das einen Zusammenprall, als würde mir aus drei Meter Höhe ein Zentnersack Kartoffeln auf den Kopf fallen. – Junge, halt die Augen offen. Du musst darüber schreiben!“ Und genau das ist für diese Situation nicht einfach, denn man muss es erleben. In Worte kann man es kaum kleiden, denn der Hund bremste so präzise und genau, drehte sich sogar im letzten Moment noch fliegend im Viertelkreis, bevor er zur liegenden Position auf dem Boden auftraf. Damit hatte er mich ebenso im Blick wie später seine nacheilende Team-Partnerin Petra Nitschke. Sofort fing er an, ununterbrochen zu bellen.
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Ich hörte im Funkgerät der Gruppenleiterin, die ein ganzes Stück entfernt stand, dass Petra Nietschke durchgab, dass das Opfer gefunden wurde. Sekunden später kam auch sie zwischen den Bäumen hervor auf den Weg und dann zu mir. Jetzt konnte ich ihm seine Belohnung geben, die er sich redlich verdient hatte. Zu nächsten Übung ging es in den Wald. Ich ging mit Birgit Speer und zwei weiteren Personen in das Waldgebiet. Eine Person versteckte sich auf einem Hochsitz und die zweite Person ein ganzes Stück davon entfernt hinter Bäumen und zwischen Büschen auf dem Waldboden. Nun gingen wir zurück zum Basispunkt und es folgte die Übung, die so abgehalten wurde, als wäre tatsächlich gerade ein Notruf eingegangen, dass Personen vermisst werden, die man jetzt suchen muss. Die Funkgeräte wurden auf Funktionalität geprüft, ein Check, ob alles vorhanden ist und richtig sitzt. Dann erfolgte die Anweisung, in welchem Sektor nach wem gesucht werden muss. Alle gingen die Sache mit merkbarem Ernst an, aber dann konnte ich mir eine (dumme) Bemerkung nicht verkneifen als die Gruppenleiterin ein Fläschchen Seifenblasen aus der Tasche zog und mit spitzem Mund bunt schillernde Seifenblasen in den Wald pustete. Ich lachte: „Und wer hat die Tröten und die Luftschlangen mitgebracht – ähm Entschuldigung.“ Ich hatte Glück. Das kam wohl so spontan deppert raus, dass alle lachten. „Nein,“ erklärte Birgit Speer, „Mit den Seifenblasen stelle ich fest, ob der Wind in den Wald reinzieht. Der Hund ist schlau. Wenn der Wind aus dem Wald rauszieht, dann läuft er draußen entlang, bis er eine Witterung hat.“ Nun wurde das Suchgebiet markiert und Petra Nitschke kniete sich neben ihren Hund, redete kurz auf ihn ein, wies ihm die Startrichtung, und schon rannte der tolle Kerl los, als ging es um sein Leben. Es ging nicht um seins, sondern um ein anderes Leben, das er ihm Notfall retten konnte. Ähnlich wie es bei mir war, hörten wir erst das sich verändernde Gebimmel, dann das Bellen. Die Person auf dem Boden war gefunden worden. Auch die zweite Person auf dem Hochsitz war bald gefunden worden. Es war enorm beeindruckend, wie Mensch und Hund als Team zusammenarbeiten und mit der Präzision eines Uhrwerkes Leistungen erbringen. Sollte ich einmal als Verletzter zwischen Trümmern oder in einem Wald liegen, dann wünsche ich mir als Suchteam die Malteser aus Mainz mit ihren Hunden.

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