Welpenschule

By on 2. Juni 2017

Welpenschule - Ein Artikel aus dem Hundereporter Mgazin Ausgabe 3Jeder Welpe ist für seinen Menschen gleichzeitig ein Quell der Freude und eine Herausforderung – und man darf nichts dem Zufall überlassen, weil so vieles genau jetzt entschieden wird.

Egal wie lieb wir unseren Welpen haben … hmm … das heißt, eigentlich muss es richtiger heißen WEIL wir unseren Welpen lieb haben (!) müssen wir jetzt bereits konsequent die Weichen für seinen weiteren Lebensweg stellen, damit es in eine gute, ausgeglichene Richtung geht, in der Mensch und Tier sich in ihrem Zusammenleben beide wohl fühlen können.

Es fängt schon bei der Frage an: Mit acht oder erst mit 12 Wochen von der Mutter weg? Wenn der Züchter, oder bei Mischlingen einfach der Besitzer von „Mama“, sich außergewöhnlich intensiv um die Welpen kümmert, kann man dem Knirps getrost noch die paar Wochen im Körbchen bei Muttern und den Geschwistern geben. Ist das allerdings nicht der Fall, sollte man den Welpen durchaus schon mit acht Wochen oder wenig später zu sich holen, denn er befindet sich jetzt in einer Phase, die später nie mehr nachgeholt werden kann. Alles das, was Hunde jetzt bis hin zur etwa 16ten Lebenswoche als alltäglich erleben, wird ihnen später keine Angst mehr machen können. Das große Stichwort „Umweltsozialisation“ umfasst all die REDinge an denen so mancher erwachsene Hund später zu knabbern hat.
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Wenn man einen Welpen nach und nach, und ohne ihn zu überfordern, an die typischen Reize heran führt, auf die ein Hund in seinem Leben üblicherweise irgendwann einmal trifft, bewahrt man ihn damit vor Angst, Stress und eventuell dadurch hervorgerufenem agressivem oder ängstlichem Verhalten. Typische Reize sind unter anderem: Briefträger, größere Menschenmengen, Biergarten, Dunkelheit, Schulhöfe, Autos, Radfahrer, Jogger, andere Tiere/Hunde, diverse Geräuschquellen, Busfahren, Bahnhof, Aufzüge, Einkaufszentrum, Brücken, Cafes und vieles mehr. Woran ein Hund ebenfalls in diesem Stadium gewöhnt werden sollte, ist „sich anfassen lassen – auch von Herrchen“. Das klingt so selbstverständlich, das ist es aber gar nicht.

Wer seinem erwachsenen Hund nicht jedes Mal, wenn er ihm ins Ohr gucken oder eine Pfote nachsehen möchte, hinterherflitzen will, sollte Untersuchungen mit dem Welpen üben. Am besten kann man den Krümel anfangs, wenn er schläfrig ist, einfach einmal „durchgucken“, ganz egal, ob es etwas zu gucken gibt. Die Ohren, den After, den Bauch, die Pfoten, die Augen … Anfangs nur, wenn der Nachwuchs die Augen kaum aufhalten kann, später auch mal mitten im Spiel – aber immer völlig selbstverständlich. Das ist generell eine Regel, die man bei Welpen (aber auch in der Erziehung bereits erwachsener Hunde) beachten sollte: Dinge, die uns Besitzer nicht aufregen und die für uns nichts Besonderes sind, sind auch für unsere Hunde auf Dauer weder aufregend, noch etwas Besonderes – und erregen daher weder Scheu noch Quirligkeit.

Welpenschule - Ein Artikel aus dem Hundereporter Mgazin Ausgabe 3
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Wenn man seinem Welpen zum Beispiel beibringen möchte, dass es nichts Besonderes ist, wenn der Mensch mal für einen Moment weg ist (z.B. zum Müll rausbringen, wenn man anfangs das Alleinsein übt), dann darf man natürlich weder vorher noch nachher einen großen Aufstand darum machen. Weder sollte man sich bei dem Hund verabschieden (dann wird ihm nur viel zu sehr bewusst, dass sein Mensch weggeht), noch sollte man danach eine große „Ich bin wieder da“-Szene machen. Sehr schnell wird der Kurze lernen, dass er a) manchmal kaum mitbekommt, dass sein Mensch überhaupt weg war, und dass b) sein Mensch immer wieder zurück kommt. Wenn besagter Mensch danach nicht einmal die Welle macht, als habe er es nur mit letzter Kraft und gegen die Unsäglichkeiten des Universums geschafft, zurück zu kehren, sondern einfach nur wieder da ist, dann stellt der Welpe bald fest, dass es kein Drama ist, wenn Herrchen mal für einen kurzen (und dann allmählich übungsweise immer längeren) Zeitraum nicht in Sichtweite ist.

Welpenschule - Ein Artikel aus dem Hundereporter Mgazin Ausgabe 3Das Resultat ist zunehmende Gelassenheit beim Hund. Gerade bei Welpen ist das „scheinbare“ Gegenteil von Aufmerksamkeit oft ein sehr gutes Mittel zur Erziehung. Wenn ein Welpe zu aufdringlich wird, bettelt oder ununterbrochen spielen will, bewirkt es relativ schnell geradezu Wunder, ihn dann einfach für kurze Zeit zu ignorieren. Er lernt dann sehr schnell, dass Betteln nichts bringt und dass bestimmte Verhaltensweisen genau das Gegenteil von dem Bewirken, was er erreichen will. Natürlich ist diese Nicht-Beachtung bei Welpen nur Schau. In Wirklichkeit beobachtet man sie natürlich aus dem Augenwinkel genau. Hinzu kommt, dass man natürlich nicht jede unerwünschte Verhaltensweise durch Ignorieren beseitigen kann. Wenn der Teppich schmeckt, dann schmeckt der Teppich – egal ob Frauchen hinguckt oder nicht – da muss man als Mensch eingreifen!

Natürlich schmust und kuschelt man viel mit Welpen – aber selbst das kann überdosiert werden. Wenn ein Welpe es gewohnt ist, ständig und ununterbrochen bekrabbelt und gestreichelt zu werden, Welpenschule - Ein Artikel aus dem Hundereporter Mgazin Ausgabe 3dann sieht er es nicht mehr als etwas Besonderes an und es kann zum einen nicht mehr als Belohnung eingesetzt werden und zum anderen ist es sogar durchaus möglich, dass man dem Hund – auch einem Welpen – damit irgendwann auf die Nerven geht. Man kann sich damit im schlimmsten Fall sogar die Position als geliebter Mensch bei einem Hund ruinieren, wenn der Vierbeiner lieber Reißaus nimmt, weil er nicht schon wieder angefasst werden möchte. Generell können wir Menschen den Zwergen nicht alles geben, was sie brauchen.

Welpenspielstunden sind allerdings in den ersten Lebenswochen ein Muss. Wenn die Welpen von der Mutter weg genommen werden, werden sie damit von ihrer eigenen Art getrennt. Das kann nur gut gehen, wenn sofort neue Bindungen zu uns Menschen aufgebaut werden. Obendrein braucht der Welpe Kontakt zu Artgenossen. Dabei reicht es nicht, wenn Kontakt zu anderen Hunden da ist – es muss Kontakt zu gleichaltrigen, oder genauer gesagt, zu gleich weit entwickelten Hunden sein. In spielerischen Auseinandersetzungen, die es in dieser Art nur mit anderen Welpen einer ähnlichen Entwicklungsstufe geben kann, lernen die kleinen Hunde, was geduldet wird und was nicht. Wären sie noch mit ihren Geschwistern zusammen, würden sie es von diesen lernen.

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In der neuen Umgebung sind die Knirpse darauf angewiesen, diese Dinge in der Welpengruppe zu lernen. Wenn sie zu diesem Sozialspiel keine Gelegenheit bekommen, fällt ihnen als erwachsenes Tier die Kommunikation mit anderen Hunden, aber auch generell mit anderen Lebewesen, deutlich schwerer, Welpenschule - Ein Artikel aus dem Hundereporter Mgazin Ausgabe 3als Hunden, die einen solchen „Kindergarten“ besuchen konnten. Elementare Dinge wie zum Beispiel die Beißhemmung, lernen die Welpen entweder in der Zeit zwischen der dritten bis zwölften Lebenswoche oder gar nicht mehr – jedenfalls nicht mehr so effektiv wie in dieser Phase. Grundsätzlich gilt, dass der erwachsene Hund diverse Dinge noch erlernen kann, aber nicht mehr so selbstverständlich, nicht mehr so intensiv und nicht mehr so natürlich. Verhaltensmuster, die von Welpen erlernt werden, prägen für das gesamte Hundeleben.

Was in der Zeit gut gemacht wurde, bleibt immer erhalten, was versaut wurde, kann nie mehr ganz ausgeglichen werden. Dabei sprechen wir nicht vom Erlernen von Kommandos wie „Sitz“ oder „Platz“ die auch ein erwachsener Hund in der Regel mit etwas Geduld noch problemlos erlernen kann, sondern in allererster Linie vom sozialen Lernen und der Umweltgewöhnung. Für die Welpenspielstunden ist es egal, ob sie in einem Hundeverein stattfinden oder in einer Hundeschule. Wichtig ist nur, dass es eine „gute“ Spielstunde ist. Es gibt ein paar Eckpunkte, die einem verraten, dass man einigermaßen gut bis hervorragend untergebracht ist: Es sollten nie mehr als acht Welpen teilnehmen (außer es stehen etliche Betreuer zur Verfügung). Die Spielstunde kann auch nicht einfach alles aufnehmen was klein ist und vier Beine hat. Die Tiere müssen von der Entwicklung her zueinander passen.

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Die Betreuer müssen obendrein Erfahrung damit haben, wie sie mit den Auseinandersetzungen der Racker umgehen. Wenn aus Spielereien ernsthafte Auseinandersetzungen werden, muss man die Raufbolde trennen und dafür sorgen, dass sie sich wieder beruhigen. Ein guter Gruppenleiter sieht, bis wohin das Spiel geht und wo der Ernst beginnt, bei dem er eingreifen muss. Und ein guter Gruppenleiter erklärt den verunsicherten Erstbesuchern übrigens auch, dass es total normal ist, dass ihr sonst so quirliger Welpe in der ersten Stunde mit verschüchtertem Blick zwischen ihren Füßen sitzen bleibt … haben wir uns nicht in der ersten Stunde im Kindergarten auch alle so gefühlt? Keine Sorge … es wird von Besuch zu Besuch einfacher und bald wird nach Herzenslust getobt und dabei ganz nebenbei gelernt, wie man ein glücklicher Hund wird.
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