Die Hunde der Bundespolizei

By on 31. Mai 2017

DIe Hunde der Bundespolizei - Ein Artikel aus dem Hundereporter Magazin Ausgabe 2

Wenn man davon absieht, dass Polizeihunde in einem Einsatz auch mal höchst aktiv werden können, ist ihre allererste Aufgabe aber viel mehr, schon durch ihre Anwesenheit dafür zu sorgen, dass ein Einsatz gar nicht erst notwendig wird. Wo ein Polizist alleine von einer Horde aufgeputschter Menschen vielleicht belächelt würde, macht ein Polizist mit einem Hund an seiner Seite in der Regel so viel Eindruck, dass Tumult verhindert werden kann.

Wir haben die Aus- und Fortbildungsanlage der Bundespolizei in Sankt Augustin bei Bonn besucht. Polizeikommissarin Nathalie Lumpé und Polizeioberkomissar Frank Pawlick begrüßten uns freundlich auf dem gigantischen, eingezäunten Gelände, auf dem die verschiedensten Dienststellen der Bundespolizei stationiert sind, wie beispielsweise der Bundespolizei Flugdienst (zu denen auch die Hubschrauberpiloten gehören) oder die GSG9. Man brachte uns mit einem Wagen vom Eingang kilometerweit bis zur Hundeschule. An der Schule angekommen warteten der Ausbildungleiter und drei Beamte mit Hunden auf uns. Alex sagte, dass er das erste mal im Leben bei einem Hund nicht das Bedürfnis hatte, die Hand auszustrecken um ihn zu streicheln. Er hatte einen höllischen Respekt vor den Hunden. Die Ausstrahlung könnt ihr euch aber auch kaum vorstellen. Dabei wirkten sie gar nicht agressiv. Man hatte nur den Eindruck, dass man jetzt besser nichts Falsches machen sollte.

DIe Hunde der Bundespolizei - Ein Artikel aus dem Hundereporter Magazin Ausgabe 2

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Auf dem Hundeplatz demonstrierte man uns ein paar typische Übungen, die ein Polizeihund in seiner Ausbildung absolviert. Wir dachten sofort, dass alles so abläuft wie beim Agility in einem Hunde- Verein. Da ging es um „sitz“ und „platz“ genau so wie „bei Fuß“ gehen oder über ein Hindernis springen. Anschließend bekam der Hund stets eine Belohnung oder ein Spielzeug wurde zum spielerischen Zurückholen geworfen. Während man uns alles zeigte, beantwortete der Ausbildungsleiter ausführlich unsere Fragen.

Hundereporter Alex: „Welche Kriterien muss ein Hund erfüllen, um Polizeihund werden zu können?“
POK Frank Pawlick: „Er muss gesund sein, er muss spielen können, aber er muß auch Dominanz zeigen. Er darf auf keinen Fall ängstlich sein. Das überprüfen wir in einer dreißigtägigen Probezeit und wenn wir danach der Meinung sind, dass er geeignet ist, wird er dem Tierarzt vorgestellt. An diesem letzten Stück scheitert es dann oft. Viele Tiere, die vom Wesen her toll wären, bringen nicht die gesundheitlichen Grundlagen mit. Das ist auch einer der Gründe, warum der Deutsche Schäferhund, der früher am häufigsten bei der Polizei anzutreffen war, immer weniger auftaucht. Die Hüftprobleme sind durch die Zucht zu groß. Bevorzugt werden inzwischen immer häufiger belgische Schäferhunde, Malineus, Rottweiler, Riesenschnauzer und Dobermänner.“
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Hundereporter Alex: „Wird ein Polizeihund ausgebildet und erst dann an den Hundeführer gegeben? Oder läuft das anders herum?“
POK Frank Pawlick: „Wir Ausbilder übernehmen in der Regel die Zuteilung, vor allem an Beamte, die zum ersten Mal einen Hund bekommen. Wenn jemand allerdings schon ausgebildeter Diensthundeführer ist und mehrere Tiere hatte, dann kann er auch sagen, dass er selber einen Welpen groß zieht. Allerdings ist in dem Fall die Gefahr immer groß, dass der Hund dann, wenn es so weit wäre, die Prüfung durch den Tierarzt nicht schafft. Auch sind es nur wenige Hunde, die tatsächlich so selbstsicher sind, dass sie in den erforderlichen Situationen aktiv werden. Man kann vieles antrainieren, aber das sogenannte ‘Umweltverhalten’ muss der Hund von sich aus mitbringen. Wenn man ihm im Training beibringen müsste, im dritten Anlauf endlich in ein Gebäude zu laufen, dann kann es trotzdem sein, dass er bei dem nächsten Gebäude einen Rückzieher macht.“

Hundereporter Alex: „Was ist die wichtigste Eigenschaft eines Polizeihundes? Gehorsam? Aggressivität? Geruchsinn?“
POK Frank Pawlick: „Es ist ein Zusammenspiel aus allem. Es nützt nichts, wenn der Hund aggressiv ist, dann aber nicht mehr hört. Es nützt genauso wenig, wenn der Hund super gehorsam ist, sich aber nicht vom Bein seines Hundeführers weg traut. Es muss eine gesunde Mischung sein, die aus Nervenstärke und einem gewissen dominanten Verhalten, aber auch Gehorsam besteht – eine Mischung, die nur ein Hund haben wird, der charakterfest ist und gleichzeitig eine enge und durch und durch positive Bindung an seinen Hundeführer hat.“

DIe Hunde der Bundespolizei - Ein Artikel aus dem Hundereporter Magazin Ausgabe 2

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Hundereporter Alex: „Die Führer müssen sicher auch über einen längeren Zeitraum ausgebildet werden, oder?“
POK Frank Pawlick: „Natürlich. Mehr und häufiger sogar, als üblicherweise angenommen wird. Man muss grundsätzlich erst einmal die normale Polizeiausbildung durchlaufen. Dann muss die jeweilige Dienststelle überhaupt die Möglichkeit haben, einen Diensthund im Team zu integrieren. Wer zum Beispiel Beamter in einer Einsatzhundertschaft ist, in der kein Hund vorgesehen ist, der kann kein Hundeführer werden. Wo ein Hund vorgesehen ist, muss man in der normalen Arbeitszeit eine Unterbringung haben, es muss Fahrzeuge geben, mit denen er transportiert werden kann und so weiter. Wenn das alles gegeben ist und wir einen Bewerber haben, dann fühlen wir ihm ganz genau auf den Zahn. Wir überprüfen seine Wohnsituation, weil beispielsweise eine kleine Wohnung im 17ten Stock sehr schwierig wäre. Macht der Vermieter überhaupt mit? Hat er Familie? Kleine Kinder? Andere Tiere? Hobbies? Wenn das alles stimmt und wir ihn vom Typ her auch für geeignet halten, dann kommt er in die Warteschleife und wenn ein Hund für ihn geeignet scheint, bekommt er ihn. Hund und neuer Diensthundführer machen die Ausbildung dann gemeinsam. Innerhalb etwa eines Jahres wird alles Notwendige vermittelt. Wobei erfahrene Diensthundeführer natürlich schneller vorankommen als Neulinge. Nach etwa 14 Monaten geht die Ausbildung dann endgültig dem Ende zu und dann werden die Frischlinge erst einmal probeweise, sozusagen in zweiter Reihe, eingesetzt. Bei einem Fußballspiel kann das dann zum Beispiel mal sein, dass 3-5 ausgebildete Hunde vor Ort sind und zwei, die noch nicht fertig sind, dort aber schon einmal an die Situation und die Geräuschkulissen gewöhnt werden. Als Abschluss der Ausbildung legt der Hundeführer nach einem zehnwöchigen Lehrgang am Ende die Prüfung ab. Diese Prüfung muss er jedes Jahr erneut ablegen. Es reicht also keineswegs, es einmal geschafft zu haben, sondern man wird immer wieder geprüft, um sicher zu gehen, dass der Hundeführer immer wieder die volle erforderliche Leistung abrufen kann.“
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Hundereporter Alex: „Im Einsatz wird es für die Hunde doch bestimmt auch mal gefährlich?“
POK Frank Pawlick: „Leider ja. Aber wir schützen die Hunde so gut, wie es machbar ist. In den Gebieten, wo zum Beispiel Scherben zu erwarten sind, wie bei Fußballeinsätzen, Demonstrationen oder Dornengestrüpp wie auf Bahnhofsgeländen, bekommen die Hunde Schuhe an, an die man sie vorher gewöhnen muss. Problematischer als die Umwelt sind allerdings die Menschen, auf die die Hunde treffen. Graffity-Sprayer sind zum Beispiel sehr fix wenn es um das Wegrennen geht. Sie springen dabei auch schon mal aus großen Höhen von 2,5 bis 3 Metern. Wenn der Hund hinterher springt, weil er die Höhe zu spät richtig einschätzt, kann er sich dabei natürlich verletzen. Das ist bei uns glücklicherweise noch nicht passiert, aber ich habe davon schon gehört. Wir versuchen immer, die Situation einzuschätzen und den Hund von Gefahr fern zu halten. Wir beschützen unseren Hund genauso wie er uns – aber ja, es ist nicht ungefährlich. Normalerweise ist es so, dass die Menschen die Hunde, im Gegensatz zu den Beamten, nicht angreifen, weil sie wissen, dass sie den Hund vermutlich nicht dazu bringen könnten, aufzugeben.

DIe Hunde der Bundespolizei - Ein Artikel aus dem Hundereporter Magazin Ausgabe 2

Hundereporter Alex: „Fällt es Ihnen in ihrer Arbeit vor Ort nicht oft schwer, ruhig zu bleiben?“
POK Frank Pawlick: „Oftmals ist es so, dass es bereits deeskalierend wirkt, wenn Polizisten und Hunde da sind. Da herrscht dann tatsächlich eine gewisse Ruhe, die zwar konzentriert und angespannt, aber da ist. Die Beamten müssen dann genauso viel Nervenstärke beweisen, wie die Hunde, wenn man dann doch einmal aktiv werden muss. Wenn zum Beispiel ein Sonderzug mit 800-1.200 Fußballfans ankommt und man beim Einfahren sieht, dass die Hälfte der Scheiben aus den Waggons rausgetreten sind, dann weiß man, wie die reagieren, wenn man ihnen auf dem Bahnsteig sagt: ,Ihr könnt den Treppenabgang nicht nehmen, sondern müsst den dahinten nehmen.’ Ohne die Hunde und ohne eine gewisse Menge an Beamten würden sie dann nur lachen. Sind die Hunde aber dabei, klappt das in der Regel reibungslos und ohne großen Ärger. Ein einzelner Hund ersetzt von der Präsenz her 7-10 Polizisten und dämmt durch seine Anwesenheit Situationen ein, in denen es ohne Hund sicher zu Problemen kommen könnte.“

Hundereporter Alex: „Habt ihr Probleme mit dem Tierschutz?“
POK Frank Pawlick: „Nein, absolut nicht, weil es dafür keinen Grund gibt. Man hat ein sehr genaues Auge auf das, was wir tun, sowohl die Öffentlichkeit, als auch unsere eigenen Vorgesetzten und es gibt nichts zu verbergen. Die Ausbildung ist artgerecht und wir nutzen nur die Eigenschaften, die ein Diensthund ohnehin hat: seine gute Nase, das gute Gehör, die Wahrnehmung in der Dunkelheit und seine Schnelligkeit. Diese Eigenschaften nutzen und fördern wir. Wir füttern und versorgen sie sehr sorgfältig und lehnen alles kategorisch ab, was nicht mit den Richtlinien des Tierschutzes in Einklang ist. Wir müssen über alles, was den Hund betrifft, genauestens Buch führen. Und wenn es Unstimmigkeiten gibt wird sofort ermittelt. Das Training ist normalem Agility- Training relativ ähnlich. Alles wird über den Spieltrieb angeregt und angelernt. Ein Polizeihund ist auch nicht generell auf Beissen ausgerichtet. Wenn die Person, die er verfolgt, stehen bleibt, dann tut das auch der Hund – ohne zu beissen. Nur wenn die verfolgte Person weiter rennt, soll und darf der Hund sie stoppen, indem er in vorher antrainierte Körperstellen beisst. Und auf Zeichen des Beamten beruhigt sich der Hund dann auf der Stelle, so dass der hinzu eilende Beamte die gestellte Person, falls es notwendig sein sollte, durch erste Hilfe versorgen kann.“

Hundereporter Alex: „Die Hunde leben bei ihren Hundeführern. Wie sieht das aus?“
POK Frank Pawlick: „Das ist unterschiedlich. Einige wenige Hunde sind vom Wesen her so, dass sie als Familienhund nicht geeignet sind. Sie leben dann, gut versorgt, in einem Zwinger bei dem Beamten zuhause. Aber die meisten Polizeihunde können sehr gut zwischen ‘Dienst’ und ‘privat’ unterscheiden und lungern abends, nach Dienstschluss mit Ehefrau und Kind auf dem Wohnzimmersofa herum und lassen sich beschmusen. Obwohl diese Hunde dann auch sehr darauf erpicht sind, Haus und Garten zu beschützen, können sie doch gleichzeitig auch problemlos mit der dreijährigen Tochter des Beamten spielen. Es gibt aber auch die Variante, dass außer dem Hundeführer kein anderer an den Hund heran kann – auch nicht zum Füttern oder Streicheln. Und ein solcher Hund wird dann auch nicht frei im Garten herum laufen.“ Bevor man uns das hochinteressante Training zeigte, wie die Hunde lernen, beim Stellen eines Verfolgten die richtigen Körperstellen anzugehen, durfte ich einmal ausprobieren, wie man sich mit den schweren, gigantischen Übungsjacken fühlt oder wie stabil die Armschützer sind, die für das Training getragen werden. POK Frank Pawlick: „Die Schützer sind sehr gut, man hat aber trotzdem hinterher grundsätzlich blaue Flecken, wenn der Hund so zugebissen hat, wie er sollte. Das tut ordentlich weh und ist nichts für zart Besaitete.“ Die Hundereporter wünschen den Beamten viele tolle Hunde und das diese so wenig wie möglich eingesetzt werden müssen.

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