Hundeliebe – Eine Abenteuerreise auf vier Pfoten – Teil 13

By on 8. Juli 2016


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Andy weiß nicht mehr, was im letzten Jahr geschehen ist, erst als sie in Jakobs Haus nach der abenteuerlichen Flucht vor Darkos Häschern zur Ruhe kommen, taucht plötzlich eine erste Erinnerung aus der vergessenen Zeit auf.

Als Hannah aufwachte, lag sie in einem riesengroßen Bett in einem noch viel größeren Zimmer. Sie war noch komplett bekleidet – lediglich ihre Schuhe hatte man ihr ausgezogen. Sie fragte sich, wie es möglich gewesen war, dass man sie ganz offensichtlich wie ein schlafendes Kind aus dem Wohnzimmer hier her gebracht hatte. Für einen kurzen unwohlen Moment dachte sie an die Möglichkeit, dass man ihr irgendetwas gegeben hatte, aber sie fühlte sich nicht irgendwie merkwürdig, sondern einfach noch sehr müde. Ein Blick zum Fenster machte deutlich, dass es noch mitten in der Nacht war und sie war alleine.

Auch Luna war nicht bei ihr. Hannah setzte sich auf und stellte die nackten Füße auf den kuschelig weichen Teppich. Die Einrichtung des Zimmers bestand aus einer gelungenen Mischung an antiken und modernen Elementen. Es war gleichzeitig altertümlich gemütlich und gepflegt modern. Hannah lauschte, aber sie hörte kein einziges Geräusch. Das ganze Haus schien zu schlafen.

Ihre Neugier siegte und sie stand auf und ging zur Tür. Als sie die Hand zur Klinke erhob, tauchte in ihrem Kopf die Vorstellung davon auf, dass sie eingeschlossen sein könnte, aber als die Tür sich ganz leicht öffnen ließ, lachte Hannah über sich selbst und schämte sich ein wenig für die unsinnigen Gedanken. Aber dann ließ sie noch einmal Revue passieren, was in der letzten Zeit alles geschehen war und mit gerunzelter Stirn entschied sie, dass der Gedanke doch nicht so unsinnig war, wie sie es hinzustellen versuchte.

 

 

Der Flur lag im Halbdunkeln, weil hier keine Fenster waren, aber gedämpftes Licht kam von der Treppe, die nach unten führte. Leisen Schrittes ging Hannah barfuß in Richtung der Treppe. Plötzlich hätte sie beinahe aufgeschrien, als Luna in einem irren Tempo hinter ihr auftauchte, an ihr vorbeipreschte und auf die Treppe zurannte. Anstatt zu schreien sog Hannah allerdings einfach nur scharf die Luft ein und versteifte sich mit weit aufgerissenen Augen.

Was war das denn gewesen? Sie ging weiter zur Treppe und sah von dem Geländer, das an der Seite ein Stück entlang führte und den Blick ins Erdgeschoss in die Eingangshalle frei gab, nach unten. Dort stand Andy wortlos vor Luna und nahm gerade etwas aus seinem Maul entgegen, das dieser ihm gebracht hatte. Er war vor Luna in die Hocke gegangen und streichelte ihm zur Belohnung über den Kopf.

Luna hatte ihm eine kleine Rolle gebracht. Etwa so lang wie ein Stift und so dick wie der Griff einer Taschenlampe. Andy öffnete die Rolle, tat etwas hinein und gab Luna das Ding zurück. Dann machte er zwei Gesten vor dem Hund, woraufhin dieser sofort wieder los rannte, die Treppe hoch und an Hannah vorbei. Hannah duckte sich spontan hinter das Geländer, so dass Andy sie nicht sehen konnte.

Sie fürchtete, Luna könne bei ihr anhalten, aber der Hund interessierte sich ausschließlich für die Aufgabe, die er bekommen hatte und verschwand im Dunkeln des langen Ganges hinter Hannah – und blieb dort. Erst als Andy kurz darauf einen ganz leisen Pfiff von sich gab, wetzte Luna zurück und brachte Andy die Rolle erneut. Wow … Hannah war ziemlich sicher, noch nie einen Hund gesehen zu haben, der dermaßen exakt auf Kommandos reagierte.

Sie sah zwischen den dünnen Schlitzen hindurch, die das Geländer frei gab, hoffte, dass man sie von unten nicht sehen konnte und beobachtete weiter. Andy machte eine Geste und Luna ließ sich auf der Stelle fallen, als sei er tot. Er drückte und schob ihn, aber er regte sich nicht mehr. Erst als Andy ein kurzes Geräusch machte, sprang Luna auf der Stelle auf und stand wieder erwartungsvoll vor ihm. Andy lobte ihn erneut mit einem Tätscheln und schien dann darüber nachzudenken, was er mit dem Hund noch machen konnte.

Dann sah er die Fellnase mit schief gelegtem Kopf an. Plötzlich wurde sein Ausdruck sehr ernst, als sei ihm etwas eingefallen. „Waffe“ sagte er ruhig aber bestimmt und auf der Stelle preschte Luna wieder davon. Er sah dem Hund mit leicht fassungslosem Gesicht nach und wartete. Es dauerte einen Moment, aber dann kam Luna zurück und hatte den Griff eines großen Küchenmessers im Maul.

Offenbar hatte er in der Küche einen Messerblock gefunden, aus dem er es heraus gezogen hatte. Andy starrte den Hund beinahe genauso fassungslos an, wie Hannah es aus ihrer Deckung tat. Er nahm Luna das Messer ab und tätschelte ihm erneut über den Kopf. Er umfasste den Griff des Messers so fest, dass seine Fingerknöchel davon weiß wurden.

Dann klopfte er einmal an seine Seite, woraufhin Luna aufsprang und sich dicht neben ihn stellte und ebenso dicht neben ihm blieb und ging, als Andy mit dem Messer in Richtung der Küche weg ging, um vermutlich das Messer wieder zurück zu bringen, das ihm der Hund gebracht hatte. Erst als er nicht mehr zu sehen war, erhob Hannah sich wieder und starrte noch einen Moment auf die jetzt leere Eingangshalle.

Sie überlegte, ob sie den beiden hinterher gehen sollte, aber dann wäre es klar gewesen, dass sie sie beobachtet hatte. Aber wenn sie einfach nur sagte, dass sie sich etwas zu Trinken holen wollte? Hannah hatte in ihrem Zimmer auf dem kleinen Beistelltisch eine Flasche und ein Glas gesehen – aber hey, sie war zum ersten Mal hier, da könnte es doch auch sein, dass sie das schlicht und ergreifend übersehen hatte, oder? So zumindest redete das Teufelchen auf ihrer einen Schulter auf sie ein.

Das Engelchen auf der anderen riet ihr, zurück in ihr Zimmer zu gehen und so zu tun, als sei nichts gewesen. Sie vertraute Andy und wenn es wichtig war, dann würde er ihr schon sagen, was los war … oder etwa nicht? Sie fragte sich, ob Andy die ganze Zeit gewusst hatte, auf welche Kommandos Luna hörte oder ob er sich erst hier wieder daran erinnert hatte. Es sprach für ihn, dass er ebenso erstaunt ausgesehen hatte, wie Hannah sich gefühlt hatte, als Luna mit dem Messer vor ihm gestanden hatte.

Irgendjemand hatte dem Hund beigebracht, auf das Kommando „Waffe“ etwas zu bringen, mit dem man sich verteidigen oder auch angreifen konnte. Ob Luna auch eine Schusswaffe gebracht hätte, wenn er eine gefunden hätte?

Fortsetzung in Teil 14

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