Hundeliebe – Eine Abenteuerreise auf vier Pfoten – Teil 11

By on 10. Juli 2016


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In einer abenteuerlichen Flucht über Balkone und durch fremde Wohnungen konnten Andy, Hannah und Schäferhund Luna sich in Sicherheit bringen. Aber Darcos bewaffnete Handlanger scheuen offenbar vor nichts zurück.

Als Andy den Wagen auf den Hof des riesigen Hauses fuhr, war es bereits dunklel. Hannah blieb für einen Moment der Mund offen stehen. Solche Gebäude kannte sie nur von Museumstouren oder aus schnulzigen Adelsfilmen. Das Anwesen war, wie man es von offiziellen Gebäuden kannte, dezent und sehr gekonnt durch Lampen in umliegenden Beeten angeleuchtet und wirkte dadurch irgendwie märchenhaft.

Die Beleuchtung am Rande der großzügigen Fläche vor dem Haus ging automatisch an als der Wagen auffuhr und kurz danach erhellten sich auch die Fenster des Eingangsbereiches. Andy ließ gerade Luna aussteigen, als sich bereits eine Seite der großen Flügel-Eingangstür öffnete und ein dunkelhaariger, schlanker Mann mittleren Alters heraus und die große Treppe herunter auf das Auto zu kam. Hannah hätte seinem Auftreten nach eine Uniform vermutet, aber er war in eine feine Tuchhose mit perfekter Bügelfalte und einen eindeutig nicht billigen Pullover gekleidet.

„Freiherr von Feldingen“, begrüßte er Andy mit einem ehrlich erfreuten Lächeln und schüttelte ihm zur Begrüßung die Hand, „Kann ich Ihnen mit Gepäck behilflich sein? Ich habe Herrn von Tesslach bereits informiert, dass Sie angekommen sind.“ Hannah fühlte sich so dermaßen am falschen Platz, dass sie sich automatisch schräg hinter Andy stellte, als könne sie damit vermeiden, aufzufallen. Aber Andy machte einen Schritt zur Seite und deutete konkret auf sie.

 

 

„Robert, dass ist Hannah Bergering, eine liebe Freundin von mir. Jakob erwartet mich nicht und schon gar nicht Frau Bergering, aber …“ Der Butler, oder welche Rolle auch immer er im Haus inne hatte, lächelte erneut „… das wird, wie üblich, kein Problem darstellen. Ihr Zimmer ist ohnehin immer bereit und ich werde noch schnell ein weiteres herrichten lassen.“ Er streckte auch Hannah die Hand entgegen: „Es freut mich, Sie kennen zu lernen, Frau Bergering.“

Hannah nahm ohne darüber nachzudenken seine Hand und war erfreut über die nette Begrüßung und erleichtert darüber, dass er sich nicht einfach nur dienermäßig vor Andy und ihr verbeugt hatte oder ähnliches. Sie wusste nicht, was sie zu erwarten hatte. Also lächelte sie einfach nur freundlich zurück und antwortete, für sie ungewöhnlich schüchtern: „Ganz meinerseits.“ Robert sah wieder zu Andy. „Bleiben Sie über Nacht? Ich war wegen der Tageszeit einfach davon ausgegangen.“

Andy nickte und Hannah wunderte sich darüber, wie sehr es ihr nichts ausmachte, dass er das einfach über ihren Kopf hinweg entschied. Sie wollte sich einfach nur noch in Ruhe irgendwo hinsetzen und versuchen, in all das, was passiert war, in ihren Gedanken etwas Ordnung hinein zu bringen. „Ja, wir bleiben, aber wir mussten sehr überstürzt aufbrechen und haben daher kein Gepäck.“ Nicht einmal damit konnte Andy den freundlichen Mann aus dem Konzept bringen. Er nickte einfach nur.

Luna war der Meinung, dass die Zweibeiner sich jetzt genug begrüßt hatten. Es war langsam Zeit, dass er seine üblichen Krabbeleinheiten von Robert bekam. Also schob er sich an Hannah und Andy vorbei und baute sich schwanzwedelnd vor Robert auf. Der Erfolg stellte sich unmittelbar ein. „Zeus! Das ist aber schön, dich auch mal wieder bei uns zu Gast zu haben!“ Robert ging auf der Stelle in die Hocke und knuddelte den Schäferhund auf eine Weise, die alles andere als förmlich aussah und Luna geriet jetzt, angesichts der Begrüßung, durch heftigeres Schwanzwedeln, komplett in Bewegung.

Er drückte seinen Kopf immer wieder gegen Robert, der seine Hände ausgiebig im Fell des Hundes versenkte, um ihm die eingeforderten Schmuseeinheiten zu geben. Die beiden kannten sich offenbar gut. Hannah hatte spontan entschieden, dass sie diesen Mann sehr, sehr gerne mochte, obwohl sie ihn erst wenige Minuten kannte – und obwohl er Luna mit dem falschen Namen ansprach – selbst wenn sie wusste, dass es in Wirklichkeit der richtige war. Sie sah noch einmal zum Haus hoch und musste plötzlich schmunzeln.

Sie kam sich vor, als sei sie die weibliche Hauptrolle in einem der Geschichten, die ihre Mutter immer gelesen, und die sie deswegen stets herablassend belächelt hatte, weil sie so unrealistisch gewesen waren. Und hier stand sie nun – vor einem riesigen Haus in dem sie bei offenbar adeligen Fremden die Nacht verbringen würde, weil sie auf der Flucht vor bewaffneten und ruchlosen Gangstern war – an ihrer Seite ein bildschöner Mann mit geheimnisvoller Vergangenheit, der einen Teil seines Gedächtnisses verloren hatte.

Aus dem Schmunzeln wurde ein Lachen und dann prustete Hannah plötzlich los. Unter den erstaunten Blicken von Robert und Andy begann sie lauthals zu lachen, bis sie kaum noch Luft bekam und sich den Bauch halten musste. Andy schmunzelte zwar auch ein wenig, aber er sah gleichzeitig auch besorgt aus. Luna löste sich von Robert und ging zu Hannah. Ohje … er konnte riechen, was mit der lieben Zweibeinerin geschah.

Sie war müde, sie hatte Angst, sie war verunsichert, sie war verliebt, sie wollte nach Hause in ihr Bett und ihr gingen gerade schlicht und ergreifend die Nerven durch, weil sie spürte, dass sie hier zumindest zur Ruhe kommen konnte, weil sie hier in Sicherheit waren. War das für die beiden Männer nicht ebenfalls offensichtlich? Luna erkannte, dass das Lachen im Moment noch das falsche Signal war und er hatte das noch nicht ganz zuende gedacht, als sich in Hannahs Lachen auch schon plötzlich ein einzelnes Schluchzen mischte.

Ja – das passte viel eher zu dem Geruch, den sie verströmte. Luna drückte sich gegen Hannahs Beine und sah Andy mit einem geradezu vorwurfsvollen Blick an. Als Hund hatte man nur begrenzt Möglichkeiten in so einer Situation unterstützend zu sein. Andy könnte jetzt endlich mal seine Arme um die arme Frau legen. Andy tat einen Atemzug später genau das und Luna setzte sich zufrieden hin. Er sah zu, wie Hannah sich in Andys Armen und unter dem bestürzten Blick von Robert sehr schnell wieder fing und dann konnten sie alle endlich ins Haus gehen, in dem es schön warm war und wo garantiert wieder etwas Leckeres auf ihn wartete!

Fortsetzung in Teil 12

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