Hundeliebe – Eine Abenteuerreise auf vier Pfoten – Teil 10

By on 11. Juli 2016


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In einer abenteuerlichen Flucht über Balkone und durch fremde Wohnungen konnten Andy, Hannah und Schäferhund Luna sich in Sicherheit bringen. Aber Darcos bewaffnete Handlanger scheuen offenbar vor nichts zurück.

Luna konnte deutlich spüren, dass es den beiden Menschen vor ihr besser ging. Offenbar hatten sie ihre viel zu kurzen Schnauzen gegeneinander gedrückt, damit ihre großen Nasen mal einen tiefen Atemzug vom Duft des anderen aufnehmen konnten. Dass Menschen furchtbar schlecht riechen können, war Luna schon früh aufgefallen. Sie bemerkten selbst die aufdringlichsten Gerüche gar nicht oder erst viel zu spät.

Aus diesem Grund passte Luna besonders gut auf die Menschen auf, die er gut leiden konnte. Er hatte die fiesen Männer, die zu Hannahs Wohnung hoch gekommen waren, schon gerochen, als sie gerade erst im Erdgeschoss durch die Eingangstür gekommen waren. Sie rochen dermaßen intensiv, dass es für Luna absolut unbegreiflich war, dass die Menschen neben ihm nicht auch sofort darauf aufmerksam geworden waren. Er bedauerte die Menschen. So schlecht riechen zu können musste schrecklich sein.

Er hatte mal eine Bulldogge kennen gelernt, die nicht sehen konnte. Schlecht riechen zu können stellte Luna sich ähnlich schlimm vor. Aber dafür hatten Lunas Menschen ja ihn. Und jetzt im Moment war er einfach nur froh, dass die Gerüche seiner Menschen, die Anspannung und Angst verraten hatten, gerade eben durch ein paar wundervolle „ich bin glücklich“ Gerüche verändert worden waren. Hannah bewegte sich jetzt sogar ein bisschen anders als vorher und Andys Gang war nicht mehr ganz so hart und ruckartig.

 

 

Die Stimmung war fast ein bisschen wieder so, wie in Hannahs Wohnung, bevor die fiesen Menschen dazu gekommen waren. Allerdings wusste Luna auch, dass von den fiesen Männern nur einer so richtig fies war. Ihm stellten sich die Nackenhaare ein wenig hoch und er hätte am liebsten geknurrt, als er an ihn dachte. Der Duft des zweiten Mannes war anders und Luna war fast davon überzeugt, dass er diesen zweiten Mann eigentlich gut riechen konnte – wenn er nicht seine beiden Lieblingsmenschen in Angst und Schrecken versetzt hätte. Sie stiegen jetzt alle drei wieder in das Auto ein und Andy fuhr los.

Die beiden schwiegen eine kurze Weile, dann fingen sie wieder an, zu reden. Auch das war jetzt deutlich ruhiger, als während der Fahrt vorher. Das war sehr angenehm. Aber irgendwie ahnte Luna, dass die Probleme und die gefährlichen Situationen noch längst nicht vorbei waren. Er wusste, dass Andy seit einiger Zeit nicht ganz er selbst war. Sie hatten sich so gut aneinander gewöhnt und sie hatten so viele Spiele zusammen gemacht, die Andy plötzlich von einem auf den anderen Tag nicht mehr spielen wollte.

Dabei hatte Andy sehr viel Zeit damit verbracht, Luna viele Dinge beizubringen, die sie dann sehr oft angewendet hatten – vor allem, wenn diese fiesen Menschen anwesend waren. Andy hatte Luna beigebracht, auf bestimmte Handzeichen zu reagieren und sogar auf bestimmte Körperhaltungen. Da Andy dabei sehr konsequent gewesen war, war es für Luna nicht schwer , diese Kommandos zu erlernen. Und im Gegenzug hatte Luna auch Andy einiges gezeigt, denn der Mensch hatte gar nicht gewusst, was ein Hund alles kann und ihn in mehr als einer Situation unterschätzt.

Aber irgendwann wussten sie beide, zu welchen besonderen Leistungen der andere in der Lage war. Natürlich – einer von ihnen war ein Hund, einer war ein Mensch, aber sie waren ein perfekt eingespieltes Team gewesen. Luna wusste, dass er Andy vertrauen konnte. Nichts war für Luna wichtiger als seine Loyalität seinem Menschen gegenüber. Aber Andy hatte ganz offensichtlich einiges vergessen und bisher war es Luna nicht gelungen, seinem Menschen dies mitzuteilen.

Die Art, wie Andy mit Hannah umging, machte ihm deutlich, dass die Menschenfrau nun zu ihrem kleinen Rudel dazu gehörte. Damit gehörte seine Loyalität automatisch auch ihr – außerdem roch sie verdammt gut. Solange wie Andy sich nicht an die Dinge erinnern konnten, die sie zusammen vorher gemacht hatten, solange musste Lunas Loyalität reichen. Vielleicht hatte Andy sich ja nur irgendwo böse am Kopf gestoßen und das musste nun einfach heilen? Luna war sehr zuversichtlich, dass alles gut werden würde.

Und in Bezug auf eine Sache war Luna gar nicht böse, dass im Moment alles nicht ganz so war wie noch vor wenigen Wochen – die Knallerei heute in Hannahs Haus hatte Luna noch einmal deutlich gemacht, dass er diese Geräusche so ganz und gar nicht vermisste. Aber die waren natürlich ständig da gewesen, als Andy noch gewusst hatte, das sie beide ein Team waren. Luna fragte sich, ob sie wohl irgendwann nochmal zu diesem Ort zurück gehen würden, an dem Andy die alte Menschenfrau beschützt hatte.

Als die bösen Männer sie getötet hatten, war alles anders geworden. „Ich habe einen Freund in Stuttgart, der her kommen und mir helfen möchte, mich an das Jahr zu erinnern, das mir fehlt“, erklärte Andy Hannah, während sie wieder auf der Autobahn fuhren. „Über Hypnose oder so etwas?“, fragte Hannah neugierig. Andy zuckte mit den Schultern. „Eventuell sogar das, aber erst einmal möchte er versuchen, heraus zu bekommen, warum mir die Erinnerung eigentlich fehlt.

Natürlich war ich mit großer Wahrscheinlichkeit auch irgendwie in den Unfall verwickelt, der meinen Wagen zerstört hat, aber ich habe keine einzige Schramme – jedenfalls nicht, dass ich bisher irgendetwas bemerkt hätte. Wenn es nicht durch einen Unfall passiert ist, gibt es nur noch die Möglichkeiten eines Schocks …“. Er verzog leicht angewidert das Gesicht. „… allerdings bin ich eigentlich nicht der Typ, der so leicht zu schocken ist, dass er dadurch das Gedächtnis verliert … meine ich jedenfalls …

Nun ja, und als dritte Möglichkeit gibt es noch die Option, dass ich irgendwelche Drogen bekommen oder sogar selbst genommen habe. Allerdings habe ich, außer mal einem guten Glas Wein oder Cognac bisher nie etwas zu mir genommen, was härter gewesen wäre als ein Aspirin.“ Hannah antwortete nicht, sondern verschränkte grübelnd die Arme. Die Antwort auf die zahllosen Fragen, die sie beide hatten, würden nicht so einfach zu bekommen sein – soviel war inzwischen sicher.

Fortsetzung in Teil 11

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