Hundeliebe – Eine Abenteuerreise auf vier Pfoten – Teil 2

By on 19. Juli 2016


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Um die Aufmerksamkeit eines schönen Fremden nicht zu verlieren, hat Hannah im Café behauptet, ein in Wirklichkeit herrenloser Schäferhund gehöre ihr – ihre dreiste Schwindelei droht schnell aufzufliegen.

„Prima. Wo ist Lunas Leine?“ Die Frage des Fremden war so einfach und doch war sie eine Katastrophe. Hannah hatte keinen Hund, Hannah wollte auch keinen Hund. Woher zum Geier sollte sie denn die Antwort darauf wissen? Alles was Hannah wollte, war den Namen des bildschönen Mannes zu erfahren. Dafür wollte sie sich so lange mit ihm unterhalten, bis sie am Ende ihre Telefonnummern für weitere Treffen austauschen würden. Und dabei war es eben notwendig, dass Mr. Perfect noch ein bisschen länger glaubte, der monströse Schäferhundrüde vor ihnen, den sie gerade ‘versehentlich’ Luna getauft hatte, gehöre ihr.

Wo also war die Leine? ‘Denk nach, Hannah, denk nach!!!’ Ihr Hirn schrie die Aufforderung geradezu, während sie nach außen weiterhin die Ruhige spielte. „Luna braucht keine Leine. Er geht wunderbar so neben mir.“ Wenn das Riesentier aber genau das nun nicht tat? Hmm… vielleicht war das die Lösung? Dann ginge ihr ungewolltes, neues Familienmitglied vielleicht verloren und sie könnte sich traurig über den Verlust von „ihm“ trösten lassen? Oder, noch besser: gemeinsam mit ihm nach dem Hund suchen?

Hmm … aber wahrscheinlich war es doch besser, wenn der Hund mit ging. „Keine Leine?“ gab der Mann beeindruckt von sich. „Das ist nicht selbstverständlich, wenn man sieht, wie viel hier los ist. Bekommen Sie dadurch keinen Ärger?“ „Ach, das ist mir egal, mir ist wichtiger, dass Luna sich frei fühlt.“ Das war Hannah schon ganz locker über die Lippen gegangen, als stimme ihre Geschichte tatsächlich, dabei fand sie es selbst absolut unmöglich, dass der Hund einfach so herum lief. Erneut beeindruckt nickte der Dunkelhaarige und deutete dann fragend auf den Kassenbereich des Cafés.

 

 

Hannah zog ihr Portemonaie aus der Tasche und ging zur Theke. Sie nannte ihren Tisch und man sagte ihr, was sie bezahlen musste. Hannah flüsterte der Kassiererin eindringlich zu: „Geben Sie mir noch zehn von diesen Keksen. Aber heimlich!“ „Warum denn heimlich?“ fragte diese in ganz normaler Lautstärke und Hannah sah sich panisch zu Hund und Mann um. Aber diese sahen in eine andere Richtung. „Schhhh!!!“, zischte Hannah trotzdem, zählte kurz zehn der Plätzchen ab, die auf der Theke für die Kellner zum Dekorieren der Kaffeetassen standen und stopfte sie sich in die dafür eigentlich zu enge Jeans-Tasche bevor sie bezahlte.

„So!“ strahlte Hannah als sie zurück gegangen war „wo geht es denn hin? Einfach am Fluß entlang?“ Er erhob sich und bot ihr einen Arm zum unterhaken. „Gerne. Ich heiße übrigens Andy.“ „Hallo Andy, ich bin Hannah.“ Mit einem, wie sie hoffte, eleganten Lächeln hakte sie sich bei ihm ein und sie gingen die ersten Schritte in Richtung Ufermauer. Luna war hinter ihnen sitzen geblieben und sah ihnen hinterher, bis Hannah einen der Kekse aus der Hosentasche zog und ganz leger „Luna“ rief.

Der Schäferhund sprang sofort auf und holte sich das Plätzchen in einem von Hannah günstig gewählten Winkel, der dafür sorgte dass Andy es nicht sah, sondern davon ausging, dass der Hund lediglich aufs Wort gehört hatte. Bis hierher lief es doch perfekt. Andy und Hannah plauderten über dies und das. „Leo!“ rief plötzlich ein Mann über die Promenade und Hannah sah sich panisch um – konnte es sein, dass ‘Leo’ gerade hinter ihr her trottete und auf Kekse wartete?

In ihrem Überschwang, dass das Plätzchenmanöver funktioniert hatte, hatte sie völlig verdrängt, dass der Hund ja irgendwem tatsächlich gehören musste! Ein paar bange Sekunden rechnete sie damit, dass Luna wegrennen würde, aber dann winkte ein anderer Mann dem rufenden zu und die beiden umarmten sich kurz danach. Leo war ein Mann! Hannah atmete erleichtert auf. Kaum hatte sie sich von dem Schreck erholt, folgte der nächste. Ein Nachbar aus ihrem Haus kam ihnen entgegen! Hilfe! Was, wenn er sie jetzt auf den Hund ansprach, der so offensichtlich zu ihnen gehörte?

Sie kramte in ihrem Kopf bereits nach Ausreden. Der Nachbar sah sie an, grüßte höflich und ging weiter … keine Bemerkung, kein verwunderter Blick – keinerlei Interesse. Das Desinteresse an den Mitmenschen, das in Großstädten so oft angeprangert wurde, hatte eindeutig auch seine guten Seiten. Hannah grüßte wortlos mit einem Kopfnicken zurück und ließ dann den Atem, den sie angehalten hatte, unmerklich wieder ausströmen. „Weißt du was, Andy?“ sie ging forsch einfach zum Du über „Ich glaube, ich sollte mir für Luna doch eine Leine zulegen.“

Andy runzelte die Stirn. „Du hast gar keine Leine für ihn?“ „Doch, doch! Natürlich!“, erwiderte Hannah sofort hektisch, „Aber zuhause“. Andy schmunzelte. „Gerade eben noch so selbstsicher und jetzt auf Leinenkauf?“ „Du lenkst mich so ab, dass ich nicht mehr vernünftig auf Luna aufpassen kann“, erklärte sie mit einem flirtenden Augenzwinkern, das er mit einem Lächeln entgegen nahm, bevor er auf einen Laden zeigte: „Da drüben ist ein Zoohandel.“

Hannah betete innerlich, dass Luna sich nicht über die ausliegenden „Köstlichkeiten“ hermachen würde und verfütterte stattdessen immer dann wenn Andy weg sah, weitere Kekse an den Hund, bis keine mehr da waren. Schon bald legte Hannah Luna ein leuchtend lilafarbenes Halsband um, an dem sie eine gleichfarbige Leine befestigte. „Lila, für einen Rüden?“ fragte Andy mit hochgezogenen Augenbrauen. „Reicht nicht schon der Mädchenname?“ Jetzt zuckte Hannah mit den Schultern. „Vielleicht ist er evangelisch.“ „Evangelisch?“ Andy prustete vor Lachen los und Hannah musste mit lachen, bis beiden fast die Tränen kamen.

„Ich mag die Farbe einfach und ich denke, dass es Luna egal ist“, ergänzte sie etwas atemlos, als sie sich wieder beruhigt hatten. Sie bezahlte und hatte danach auf der Straße zum ersten Mal in ihrem Leben einen Hund an der Leine – und einem Traummann am Arm. „Was hältst du davon, wenn wir uns morgen wiedersehen?“, schlug sie mutig vor. „Gerne.

Ich könnte euch beide für einen etwas längeren Spaziergang abholen, dann sehe ich vielleicht auch mal, wie ihr zwei so wohnt?“ Wohnung! Ein neues Stichwort! Oh Gott! Hundenapf, Decke, Korb … Wie sollte Hannah bis morgen aus ihrer Designer- Wohnung eine Hundewohnung machen? Sie wurde blass. Um die Aufmerksamkeit eines schönen Fremden nicht zu verlieren, hat Hannah im Café behauptet, ein in Wirklichkeit herrenloser Schäferhund gehöre ihr – ihre dreiste Schwindelei droht schnell aufzufliegen.

Fortsetzung in Teil 3

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