Das Interview: Sinn und Zweck von Hundeversicherungen

By on 19. Februar 2016

Im Gespräch: Sinn und Zweck von Hundeversicherungen

Wir haben uns mit Ralf Becker über die verschiedenen Versicherungsmöglichkeiten für Hunde unterhalten. Er ist Geschäftsführer und Inhaber der vs vergleichen-und-sparen GmbH. Seit 1984 ist der Versicherungsmakler Partner und Ansprechpartner für Tierversicherungen. Das Unternehmen vergleicht Angebote des Versicherungsmarktes zur Hunde-, Katzen- und Pferdeversicherung und berät über 350.000 Kunden zu allen Fragen rund um die Tierversicherungen.

Hundereporter: Guten Tag Herr Becker. Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen, unsere Fragen zum Thema Hundeversicherungen zu beantworten.
Deutschland gilt als hundefreundliches Land. Ich denke, die Zahl der Hunde spricht für sich. Wir sind uns bewusst, dass sich der Stellenwert der Vierbeiner im Laufe der Jahre gewandelt hat. Schon lange sind sie nicht mehr reine Aufpasser und schlafen im Hof vor der Tür. Heute sind Hunde vollwertige Familienmitglieder. Nun sind Hundeversicherungen immer häufiger im Gespräch. Sind sie in der Tat notwendig? Oder vermenschlichen wir unsere Hunde dadurch nicht geradezu, nur weil wir für uns Menschen Versicherungen brauchen und als notwendig betrachten?

Ralf Becker: Zum Glück hat sich der Stellenwert des Hundes geändert. Die wenigsten kennen sich mit Hundeversicherungen aus und denken, es sei ein Luxus, den man sich nicht leisten muss. Das zeigen auch die Statistiken im Ländervergleich. Deutschland hinkt hinterher, mit gerade einmal einem Prozent krankenversicherten Hunden. In anderen Ländern wie Skandinavien und England liegen die Zahlen bei knapp 50 Prozent. Dem Luxusgedanken möchte ich widersprechen. Jeder, der durch die Krankheit seines Hundes schon einmal den Geldbeutel öffnen musste, der weiß, welch unerwartet hohe Kosten auf einen zukommen können. Mal abgesehen davon, dass wir unseren besten Freund im Notfall auch gerne gesundheitstechnisch versorgt wissen wollen. Eine gute Behandlung ist das A und O. Nicht selten geben Hundehalter ein Vermögen für Spezialfutter, Hundespielzeuge und Hundeurlaube aus, wieso dann nicht auch für Hundeversicherungen?!

Hundereporter: Nun gibt es unterschiedliche Hundeversicherungen, auf die wir gerne näher eingehen möchten. Fangen wir an mit der Hundehaftpflichtversicherung. Wir unterstellen einmal, dass die meisten Hundebesitzer diese Versicherung kennen. Allein durch die vorherrschende Pflicht zum Abschluss dieser Versicherung in manchen Bundesländern ist sie in das Bewusstsein vorgedrungen und wird auch in den Medien deutlich thematisiert. Ist die Hundehaftpflicht denn eine Notwendigkeit, wenn ich nicht gerade von meinem Bundesland dazu verpflichtet werde?

Ralf Becker: Das Bewusstsein für die Notwenigkeit der Hundehaftpflichtversicherung steigt. Trotzdem ist es einem Großteil der Hundehalter nicht bewusst, dass Sie mit Ihrem gesamten Privatvermögen haften, wenn ihr Hund einen Schaden anrichtet. Und das ist schnell passiert. Einmal nicht aufgepasst und der Vierbeiner jagt instinktgesteuert einem Hasen hinterher, erschreckt dabei einen vorbeifahrenden Fahrradfahrer. Er stürzt und verletzt sich. Die Haftpflicht schützt Hundebesitzer finanziell.

Hundereporter: Bei Versicherungen übersehen die Verbraucher oft das Kleingedruckte. Können Sie uns sagen, auf welche Punkte man achten sollte und was die Hundehaftpflicht im Schnitt kostet?

Ralf Becker: Eine ausreichende Deckungssumme ist unerlässlich. Wir empfehlen mindestens 5 Millionen Euro. Besonders bei Personenschäden kommen oft Verdienstausfall und langwierige medizinische Behandlungen hinzu, die den Schadensersatz in die Höhe treiben. Die Betrachtung der verschiedenen Bausteine ist unerlässlich. So betrifft der Einschluss von Mietsachschäden nicht nur die eigene Mietwohnung, sondern auch die gebuchte Ferienwohnung im Urlaub mit dem Hund. Kommt die Einrichtung durch den Hund zu schaden, ist das zum Beispiel mit abgedeckt. Auch das Führen ohne Leine ist ein wichtiger Aspekt, den man einschließen sollte, wenn der Vierbeiner öfter freiläuft und gerade dann einen Schaden verursacht. Und die Klausel für Fremdhüter ist beispielsweise genau dann interessant, wenn Fremde auf den Vierbeiner aufpassen.
Die Preise für eine Hundehaftpflicht beginnen bei 33,69 Euro jährlich, je nach Alter des Halters, nach Rasse des Hundes und unter Beachtung diverser Rabatte. Jeder findet bei uns im Onlinerechner auf https://www.vergleichen-und-sparen.de/hundehaftpflicht.html seinen individuellen Tarif.

Hundereporter: Sie sprachen gerade von Rabatten. Welche Tipps können Sie geben?

Ralf Becker: Hundehalter sparen bei uns beispielsweise 30 Prozent, wenn sie eine Versicherung online abschließen. Wer bereit ist, Schäden bis zu einer bestimmten Höhe selbst zu tragen, kann die jährlichen Gesamtkosten reduzieren und einen Tarif mit Selbstbeteiligung wählen. Eine längere Vertragslaufzeit und jährliche Zahlweise führen auch zu geringeren Tarifkosten. Wenn der Hund als Blinden-, Therapie- und Rettungshund eingesetzt wird oder mehrere Hunde gleichzeitig versichert werden, geben einige Anbieter einen Rabatt.

Hundereporter: Die Hundehaftpflicht macht ja eindeutig Sinn, bevor der eigene Hund für den finanziellen Ruin verantwortlich sein könnte und die Privathaftpflicht für solche Schäden gar nicht einspringt, was viele sicherlich meinen. Aber ist es in der Tat nötig, eine Krankenversicherung für seinen Hund abzuschließen?

Ralf Becker: Die Hundekrankenversicherung ist im Prinzip vergleichbar mit der Krankenversicherung für uns Menschen. Sie macht den Hund quasi zu einem Privatpatienten, der die bestmögliche Behandlung im Krankheitsfall erhält. Die Gebühren für die Behandlung beim Tierarzt wurden um zwölf Prozent erhöht, weshalb sich immer mehr Hundehalter für einen Abschluss entscheiden. Dabei weisen die Anbieter zur Absicherung im Krankheitsfall recht unterschiedliche Leistungen auf. Als elementarer Schutz übernimmt die Versicherung die Kosten nicht nur für Diagnostik und Behandlung sondern auch für Medikamente, Operationen und Unterbringungskosten. Besonders chronische Leiden wie eine Futterunverträglichkeit können schnell ins Geld gehen. Ganz zu schweigen von einer Operation. Und dass der Vierbeiner mal erkrankt, lässt sich auch nicht vermeiden.

Hundereporter: Worin genau liegen die Unterschiede bei den Angeboten der Hundekrankenversicherung? Worauf haben Hundebesitzer zu achten? Das Kleingedruckte wird oft nicht gerne gelesen, ist aber meist am wichtigsten.

Ralf Becker: Zum Beispiel begrenzen manche Versicherungsunternehmen das Alter des Hundes für die Aufnahme oder schließen Vorerkrankungen aus. Die größten Abweichungen bei der Kostenübernahme finden sich bei der Höchstleistungsgrenze und der Wartezeit, bis die Hundeversicherung greift.
Um das zu verdeutlichen ein Beispiel: Sie schließen die Versicherung zum 1. Januar ab, aber erst nach einer Wartezeit von drei Monaten, also für alle Krankheitsfälle und Operationen nach dem 1. April werden die Kosten dann übernommen. Weitere Punkte sind beispielsweise die Übernahme von Vorsorgemaßnahmen wie Impfungen, Wurmkuren oder für Kastration und Sterilisation. Diese werden je nach Tarif mit bis zu 100 Euro abgedeckt. Aber auch zusätzliche Serviceleistungen wie die 24-Stunden-Erreichbarkeit bietet nicht jeder.

Hundereporter: Was kostet so eine Hundekrankenversicherung?

Ralf Becker: Die Kosten einer Hundekrankenversicherung bewegen sich je nach Tarif zwischen 20,90 und 100 Euro im Monat. Einen Vergleich bieten wir unter https://www.vergleichen-und-sparen.de/hundekrankenversicherung.html

Hundereporter: Man hört auch von Hunde-OP-Versicherung. Wofür braucht man diese Versicherung, gibt es Unterschiede zu der Hundekrankenversicherung, die bereits den Operationskostenschutz beinhaltet?

Ralf Becker: Die Hunde-OP-Versicherung liegt preislich aufgrund des abgespeckten Leistungsumfangs unter der Hundekrankenversicherung. Sie gilt für Operationskosten und übernimmt je nach Tarif, die Kosten für die Vor- und Nachbehandlung, den stationären Aufenthalt, die Medikation und ermöglicht eine freie Tierarzt- oder Tierklinikwahl. Routinebehandlungen und Vorsorgeuntersuchungen beim Tierarzt wie Kastration und Sterilisation sowie Impfungen oder Zahnsteinentfernung deckt sie nicht ab. Hier kommt die Hundekrankenversicherung ins Spiel.
Die Wahrscheinlichkeit, dass Ihr Welpe oder ausgewachsener Vierbeiner irgendwann einmal infolge eines Unfalls oder einer Erkrankung operiert werden muss, ist auf jeden Fall gegeben. Gerade wenn man noch keinen hohen Betrag zur Seite gelegt hat, ist die OP-Versicherung eine gute Wahl. Die Kosten bewegen sich je nach Tarif zwischen 9,90 und 17,40 Euro im Monat.

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