Scheinschwanger

By on 24. Juli 2015
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Wenn sie nicht tatsächlich schwanger geworden sind, tut der Körper von Hündinnen oft trotzdem einfach so als ob.

Die Scheinschwangerschaft der Hündin ist ein Phänomen, das bei nicht kastrierten Hündinnen auftritt. Symptome stellen sich durch Mattigkeit, Appetitlosigkeit, Rückgezogenheit und einem Anschwellen des Gesäuges mit teilweise sogar Milchbildung dar. Manche Hündinnen betreiben sogar Nestbau und schleppen alles, was sie finden können, wie zum Beispiel Schuhe, Spielzeug und Decken, in ihr Körbchen, um es als Welpen zu „adoptieren“. Es sind typische Symptome einer Trächtigkeit, obwohl die Hündin nicht trächtig ist.
Schuld an diesem Zustand ist das trächtigkeitserhaltende Gelbkörperhormon Progesteron, das dafür zuständig, ist den Embryo zu schützen, damit er vom Körper nicht als fremd erkannt und abgestoßen wird. Anders als bei uns Menschen wird dieses Hormon nicht sofort abgebaut, wenn es nach dem Eisprung nicht zu einer erfolgreichen Befruchtung kommt. Bei der Hündin bleibt der Progesteron-Spiegel zunächst bestehen und baut sich langsam ab. Der Hormonstatus sagt der Hündin, obwohl sie nicht aufgenommen hat, sie wäre trächtig.
Mit dem langsamen Abfallen des Progesteron-Spiegels stellen sich allmählich die Trächtigkeitssymptome dar. Ungefähr 63 Tage nach der letzten Läufigkeit ist das Gesäuge bei vielen Hündinnen leicht bis stark geschwollen, und manche zeigen sogar Milchfluss. Dieser Zeitpunkt deckt sich mit dem, an dem die Hündinnen eigentlich ihre Welpen bekommen würden.
Entgegen der Meinung vieler Menschen ist die Scheinschwangerschaft nichts Unnormales, sondern ein völlig normaler hormonell bedingter Zustand im Laufe des Sexualzyklus der Hündin und somit auch bei regelmäßigem Wiederauftreten kein Grund für die Kastration einer Hündin.
Interessant zu wissen ist hier, dass die viel gefürchtete Gebärmutterentzündung (Pyometra) immer in erster Linie hormonell bedingt ist und bakterielle oder virale Infekte nur sekundäre Auslöser sind, die diese verschlimmern, aber nie alleine auslösen können. Die Gebärmutterentzündung tritt dann auf, wenn der Hormonhaushalt der Hündin gestört ist. Gut zu wissen: Bei einer Hündin, die nach der Läufigkeit Symptome einer Scheinschwangerschaft zeigt ist der Hormonstatus absolut normal und so, wie er sein sollte. Eine Gebärmutterentzündung tritt folglich in der Regel nicht auf.

Warum werden Hündinnen
überhaupt scheinschwanger?
Hier muss man in der Evolution des Hundes zurück auf seinen Vorfahren, den Wolf, blicken. Wölfinnen, als auch Hündinnen die in einem Rudel leben, passen sich mit dem Zeitpunkt ihrer Läufigkeiten aneinander an und werden in etwa gleichzeitig läufig. Im Wolfsrudel werden jedoch nur die ranghöchsten Weibchen gedeckt und bekommen Welpen. Den rangniederen Wölfinnen kommt die Aufgabe zuteil sich um die Aufzucht der Welpen mit zu kümmern. Da es normal ist, dass eine Mutter-Wölfin lange auf Jagd ist, um Nahrung zu beschaffen, oder es ebenfalls möglich ist, dass sie sich verletzt oder gar stirbt, müssen die anderen Rudelmitglieder für das Überleben der Welpen sorgen. Durch das gleichzeitige Läufig werden und durch das Vorkommen der Scheinschwangerschaft, die zum Milchfluss führt, können somit die rangniederen Wölfinnen das Überleben des Rudelnachwuchses sichern. Auch nach Tausenden von Jahren in der Entwicklung des Hundes hat sich an diesem Phänomen nichts geändert, und somit ist die Scheinschwangerschaft ein Erbe von den Vorfahren unserer Haushunde.

Doch was tun bei einer
Scheinschwangerschaft?
Sofern sich die Symptome in einem normalen Rahmen bewegen, ist diese nicht behandlungsbedürftig. Behandeln sollte man dann, wenn sich die Zitzen entzünden oder die Hündin stark unter der Scheinschwangerschaft leidet.
In der Regel klingen die Symptome nach ca. 2-4 Wochen von alleine wieder ab.
Man kann seiner Hündin zusätzlich helfen, indem man ihr viel Bewegung verschafft, damit sie den Kopf frei bekommt. Gegenstände, die sie bemuttert, sollten ihr weggenommen werden und man sollte zusehen, dass sie ausreichend Abwechslung und Programm am Tag hat, so dass sie gar nicht erst genug Zeit hat, in eine Depression zu verfallen.
Zudem sollte verhindert werden, dass sie das Gesäuge beleckt, da das den Milchfluss anregt. Das Gesäuge sollte obendrein nicht mit Wärme behandelt werden, da diese nur eine weitere Milchproduktion anregt.

Bild: shutterstock.com – hecke61