Alle Hunde können schwimmen – FALSCH!

By on 18. Juli 2015
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Jedes Jahr ertrinken Hunde. Was sollte jeder Hundeliebhaber wissen, wenn es um die Sicherheit seiner Fellnase am Wasser geht?

Es wird oft angenommen, dass Hunde generell schwimmen können. Doch müssen sie, genauso wie wir Menschen, erst lernen, zu schwimmen.
Es gibt Rassen, die speziell für die Wasserarbeit gezüchtet wurden. Der Labrador, Neufundländer und der spanische Wasserhund zum Beispiel, sie lieben das Wasser von Natur aus sehr. Es gibt allerdings auch Rassen, die durch ihren Körperbau oder ihre Behaarung nicht oder nur mit Schwierigkeiten schwimmen können. Das sind Hunde mit kurzen Nasen wie Bulldoggen, mit einem schweren Körper und kurzen Beinen wie der Englische Basset und Hunde mit extrem langem Fell, die im Wasser sehr schwer werden.
Aber auch Hunde, die schwimmen können, geraten mitunter in Schwierigkeiten und/oder können ertrinken!

Risikofaktoren:
– Eine ungewohnte Umgebung z.B. im Urlaub
– Schnellfließende Gewässer
– Orte, an denen die Hunde nicht selbstständig aus dem Wasser können
– In Paniksituationen
– Wenn sie von einem Boot oder Bootssteg ins Wasser fallen
– Wenn sie durch eine Eisdecke brechen oder in ein Eis-Loch fallen
– Junge und unerfahrene Hunde
– Hunde, die aufgrund ihres Körperbaus nicht oder nicht gut schwimmen können
– Alte Hunde mit eingeschränkter Mobilität oder Sehbehinderungen
– Jagdhunde mit viel Jagd-Leidenschaft, die Wasservögel jagen, können dabei schnell in Schwierigkeiten geraten und stören nistende oder Wasservögel auf der Futtersuche

Verhütung des Ertrinkens
Hunde können kein Risiko abschätzen und sind in ihrer Sicherheit von ihrem Halter abhängig.
Halte junge Hunde, die Wasservögel jagen, immer an der Leine in der Nähe von Wasser.
Es ist für Hunde nicht begreiflich, dass sie in der einen Situation ins Wasser dürfen, in der anderen Situation aber nicht. Bringe dem Hund bei, dass er nur mit deiner Zustimmung ins Wasser darf.
Lass Hunde auf einem Boot immer ein geeignetes Brustgeschirr tragen, so dass du ihn daran greifen kannst. Eine Rettungsstange kann dann ebenfalls dort eingehakt werden.
Eine Rettungsweste verhindert Ertrinken. Auch Hunde, die schwimmen können, sind bereits durch Erschöpfung, Unterkühlung und Panik ertrunken.
Gewöhne den Hund an Wasser und bringe ihm das Schwimmen bei.

Einem Hund Schwimmen beibringen
Gewöhne einen Welpen oder älteren Hund, der nicht mit Wasser vertraut ist, auf eine positive und freundliche Weise an das Wasser. Dies kann zusammen mit dem Eigentümer und/oder einem bekannten Hund, der gern ins Wasser geht, geschehen.
Einem Hund unter Druck Schwimmen beizubringen oder ihn einfach ins Wasser zu werfen, ist kontraproduktiv. Die Chance ist groß, dass er Angst vor dem Wasser bekommt und dies zu einem panikartigen Schwimmstil oder Vermeidungsverhalten führt. Die Absicht ist nicht, bei dem Hund Stress zu verursachen, sondern es muss immer etwas Schönes sein, ins Wasser zu gehen!
Übe zuerst im flachen Wasser mit einem allmählich abfallenden und nicht zu sumpfigen Ufer.
Die Außen- und die Wassertemperaturen sollten angenehm sein.
Lass den Hund neben einem normalen Halsband auch ein Brustgeschirr mit Griff oder eine Schwimmweste tragen und sorge dafür, dass er zu Hause bereits daran gewöhnt wurde!
Benutze eine lange Leine.
Gehe selbst ein Stückchen ins Wasser und lass deinen Hund das erste Mal ruhig seine Erfahrungen machen. Ermutige ihn nicht, in das Wasser zu gehen, und übe niemals Druck aus. Der Hund überlegt in diesem Stadium noch, ob er mit dir geht oder nicht.
Halte die Übungszeit kurz, und wiederhole sie nach einer Pause mit Zeit zum Spielen oder für einen Spaziergang.
Wiederhole diese Übung so oft wie möglich.
Sobald der Hund sich im Wasser ungezwungen verhält, kann er aufgefordert werden, zu dir zu kommen.
Mit einer Schwimmweste bleibt er in einer horizontalen Position, und er wird den Vorgang wahrscheinlich schnell verstehen.
Wenn der Hund keine Schwimmweste trägt, kannst du ihm helfen, horizontal zu bleiben, und ihn mit einer Hand unter dem Bauch unterstützen. Achtung! Dies kann nur bei Hunden geschehen, die es schön finden, am Bauch angefasst zu werden.
Wenn der Hund allein schwimmt, nimm deine Hand langsam weg.
Wenn alles gut geht, kann in anderem, tieferen Wasser geübt werden.
Was tun, wenn ein Hund ins Wasser gefallen ist?
Bleibe selbst ruhig und denk zuerst an deine eigene Sicherheit! Im Falle von Panik bedeutet das für dich ein Risiko, und dann kannst du auch deinem Hund nicht helfen.
Schau nach, ob Strömung im Wasser ist. Wenn das der Fall ist, gehe stromabwärts, so dass der Hund nicht gegen den Strom schwimmen muss. Suche dir einen Standort, an dem du in der Nähe des Hundes bist.
Versuche, mit Blickkontakt und ruhiger Stimme die Aufmerksamkeit deines Hunde zu erlangen. Wenn der Hund zu dir kommt, fasse ihn am Halsband (oder Nackenfell) und ziehe ihn zum Rand und etwas nach oben, so dass er sich selbst abstützen kann, um so einfacher an das Ufer zu kommen.
Wenn es nicht gelingt, nahe genug an den Hund zu kommen, kann ein Schlauchboot hilfreich sein.
Hat der Hund Wasser in die Lunge bekommen? Halte ihn kopfüber, so dass das Wasser aus der Lunge abfließen kann.
Trockne den Hund gut ab und decke ihn zu, damit er nicht weiter auskühlt.
Je nach Zustand des Hundes kann die Unterstützung eines Tierarztes notwendig sein.
Weitere Risiken im Wasser und in der Nähe von Wasser
Im Sommer, in der Nähe von Wasser und im Ausland bestehen für Hunde Gesundheitsrisiken durch:
– Trinken von und Schwimmen in verschmutztem Wasser
– Trinken von Meerwasser, dieses kann eine Salz-Vergiftung zur Folge haben
– Aufnehmen von fressbaren Sachen entlang der Küste, wie Kadaver von Wasservögeln, tote Fische, Abfälle
– Verschlucken von Angelhaken
– Parasiten
TIPPS
Frage deinen Tierarzt, was notwendig ist, um deinen Hund gegen Krankheiten und Parasiten zu schützen, die in deinem Urlaubsgebiet auftreten können.
Holländisch sprechende Hundebesitzer finden weitere Informationen und Tipps, sowie einen praktischen Ratgeber bei Vergiftungen und Erste Hilfe im Buch „Honden aan boord“ (Hunde an Bord). Eine deutsche Veröffentlichung ist in der Planung.
Lade das Poster „Die Sicherheit Ihres Hundes am Wasser“ von der Webseite www.hondenaanboord.nl

Text und Bilder © Trudie Rutten – www.hondenaanboord.nl – Dieser Artikel wurde von Monika Donkervoort übersetzt