Gefahr: Hitzschlag!

By on 21. Juni 2015
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Da Hunde von der Natur her eigentlich „Draußen-Tiere“ sind, unterschätzt man leicht die Gefahr, die ihnen durch Hitze drohen kann.

Für viele Hunde stellen unsere derzeitigen sommerlichen Temperaturen ein hohes gesundheitliches Risiko dar. Vor allem für Hunde mit schwachem Kreislauf und für Hundesenioren kann die Hitze schnell zur Lebensgefahr werden.
Anders als der Mensch haben Hunde nur sehr wenige Schweißdrüsen. Diese befinden sich an den Pfotenballen und sind leider nicht ausreichend, um die Körpertemperatur vollständig zu regulieren. Weitere Hitze wird zusätzlich übers Hecheln reguliert. Hierbei können Hunde eine Atemfrequenz von bis zu ca. 400 Atemzügen pro Minute entwickeln. Dies ist eine enorm hohe Zahl, bei der dem Hund viel Flüssigkeit verloren geht.
Hunde versuchen sich zusätzlich durch das Ablegen auf kalten Flächen, Aufsuchen schattiger Plätze, ins Wasser gehen, oder durch Belecken des eigenen Fells kühl zu halten.
Die größten Risiken für das Erleiden eines Hitzschlags sind im Sommer vor allem zu wenig Wasser, kein Schatten, zu hohe körperliche Anstrengung und das Warten in Fahrzeugen.
Körpertemperaturen zwischen 41 und 43° Celsius stellen für den Hund erhebliche Lebensgefahr dar. Das Blut wird vom Körperinneren in die Extremitäten gepumpt, lebenswichtige Organe werden nur noch unzureichend durchblutet, das körpereigene Eiweiß beginnt zu gerinnen, wodurch sich das Gehirn dehnt. Ein massiver Druck entsteht, der zu Bewusstseinstrübungen bis hin zu Bewusstlosigkeit und schlimmstenfalls dem Tod führen kann.
Einen Hitzschlag erkennt man zum Beispiel durch sehr starkes Hecheln, unkontrollierte und gestörte Bewegungen, einen starren bis panischen Gesichtsausdruck, Mattheit und Erbrechen. Es droht ein Kreislaufzusammenbruch.

Was tun in so einer Situation?
Das Wichtigste ist, in dieser Situation selbst einen klaren Kopf zu bewahren und beruhigend auf den Hund einzuwirken. Zusätzlicher Stress und Panik würden den Zustand des Hundes nur verschlechtern. Er würde sich unnötig aufregen und dadurch die eigene Körpertemperatur nur weiter nach oben treiben. Zusätzlich sollte man darauf achten, dass unüberlegte Handlungen anderer Personen vermieden werden. Der Hund sollte am Besten angeleint werden, um ein plötzliches Weglaufen zu verhindern, und die Atemwege sollten frei sein. Ein Absichern mit einer Maulschlinge oder einem Maulkorb sollte vermieden werden, um den Hund nicht beim Abhecheln der Hitze einzuschränken. Nur in Extremfällen, in denen der Hund den Menschen durch Bisse gefährden würde, sind Maulschlinge oder Maulkorb gerechtfertigt.
Ist der Hund ausreichend gesichert, so sollte man ihn im nächsten Schritt sofort in eine kühle Umgebung bringen und beginnen, ihn mit Wasser zu kühlen. Hierzu beginnt man immer mit den Pfoten und arbeitet sich langsam nach oben. Wasser sollte niemals plötzlich über den ganzen Hund gekippt werden.
Selbstverständlich sollte dem Hund auch Wasser angeboten werden. Er darf dabei so viel trinken wie er möchte, aber sollte nur langsam trinken. Dafür bietet man ihm am Besten immer kleine Schlücke an und füllt den Napf nach und nach langsam wieder auf.
Bitte den Hund niemals zum Trinken zwingen, um ein versehentliches Abschlucken in die Luftröhre zu vermeiden!
Desweiteren empfehlen sich kalte Kompressen auf Kopf, Hals und Lenden. Durchnässte T-Shirts bieten eine zeitweise Abhilfe, sollten aber nicht zu lange und niemals unbeaufsichtigt angelassen werden. Zwischen Fell und nassem T-Shirt kann sich schnell Hitze stauen und den Zustand nur weiter verschlechtern. Viele Hundebesitzer meinen es nur gut und ziehen ihrem Hund ein nasses T-Shirt an und lassen ihn damit im Haus zurück. Sehr häufig erleiden gerade diese Hunde, denen ohne T-Shirt im Haus wahrscheinlich nichts passiert wäre, einen Hitzschlag.
Beim Hitzschlag sollte immer damit gerechnet werden, dass sich der Zustand des Hundes schnell drastisch verschlechtern kann.
Erste Hilfe-Maßnahmen können lebensrettend sein, aber ein Besuch beim Tierarzt sollte nicht ausgelassen werden. Dieser kann den Allgemeinzustand des Hundes am Besten beurteilen und ihm weitere Flüssigkeit durch Infusionen zukommen lassen, die lebensrettend sein können.
Für den Transport zum Tierarzt sollte man sich nach Möglichkeit einen Helfer organisieren und den Besuch beim Tierarzt vorher telefonisch anmelden, sodass dieser schon vorab Bescheid weiß, dass ein Notfall eintreffen wird und er entsprechend alles vorbereiten kann.
Die Fahrt zum Tierarzt sollte so schnell wie möglich erfolgen. Aber bitte nur so schnell, dass keine unnötigen Risiken für einen selber eingegangen werden.
Gerade im Urlaub, wenn man viel mit seinem Hund unterwegs ist und neue Ecken erkundet und bereist, kommt ein Hitzschlag relativ häufig vor. Deswegen als Tipp: Wenn man einen Urlaub mit Hund plant, sollte man sich immer vorab erkundigen, wo der nächste Tierarzt im Urlaubsort ist und eine Notfall-Telefonnummer mit sich führen, um im Zweifelsfall sofort handeln zu können.
Um einem Hitzschlag vorzubeugen, sollte man es vermeiden, den Hund direkter Sonne auszusetzen, und immer für Schatten und ausreichend Wasser sorgen. Spaziergänge sollten auf die kühlen Morgen- und Abendstunden verlegt werden. Zusätzlich sollte man dunklen Asphalt meiden. Die Hunde können sich schwerste Verbrennungen an den Pfoten durch das Laufen auf Asphalt zuziehen.
Außerdem sollte körperliche Belastung durch zu lange Spaziergänge, Fahrrad fahren o.Ä. vermieden werden, und Hunde sollten bitte niemals auch nur für fünf Minuten bei sommerlichen Temperaturen im geparkten Fahrzeug gelassen werden!

In jedem Jahr gibt es viele warme Tage, die Hund und Frauchen oder Herrchen gleichermaßen genießen.
Frühlingshafte 20 Grad reichen aber bereits aus, um das Innere eines Wagens binnen Minuten auf extrem hohe Temperaturen aufzuheizen. Für jeden Menschen sind diese Gradzahlen selbst im Schatten viel zu viel – erst recht für einen Hund. Dennoch lassen viele ihr Tier im Auto zurück. Bereits der kurze Gang zum Bäcker oder in die Apotheke kann für den im Auto geparkten Hund zur Lebensgefahr werden. „Feuerwehr und Polizei dürfen in solchen Situationen in jedem Fall eingreifen“, erklärt Philip McCreight, Leiter von TASSO. „Auch verantwortungsbewusste Mitmenschen sind ausdrücklich aufgefordert, dabei zu helfen, das Leben des Tieres zu retten.“

Folgendes sollten Sie beachten:
• Rufen Sie die Polizei oder die Feuerwehr.
• Notieren Sie sich alle wichtigen Daten: Datum, Ort, Uhrzeit, Automarke, Farbe und Kennzeichen des Wagens.
• Dokumentieren Sie den Vorfall, wenn Sie können, mit Fotos.
• Suchen Sie Zeugen, die die Geschehnisse bestätigen können, und notieren Sie sich deren Telefonnummer und Anschrift.
• Erstatten Sie zur Sicherheit Strafanzeige wegen Tierquälerei.

Wenn die Situation so eilig ist, dass nicht länger auf das Eintreffen der Polizei oder Feuerwehr gewartet werden kann, darf man den Hund selbst befreien. Dabei gilt es jedoch, äußerste Vorsicht vor allem bei der Beschädigung des Fahrzeugs walten zu lassen. Denn: Bei der Befreiung des Tieres wird unumgänglich fremdes Eigentum beschädigt. Darum ist es ratsam, dem Wagen so wenig Schaden wie möglich zuzufügen und dabei weder Front- noch Heckscheibe, sondern besser ein Seitenfenster einzuschlagen. Rechnen Sie jedoch damit, dass es dazu kommen kann, dass seitens des Fahrzeughalters Strafanzeige erhoben wird. Kommt es dazu, können sich Betroffene auf den rechtfertigenden Notstand nach § 34 StGB berufen. Umso wichtiger ist es, Zeugen für den Vorfall zu haben und die Polizei zu verständigen. Telefonnummer und Anschrift der Zeugen sind wichtig. Der notwendige Polizeieinsatz jedenfalls geht nicht zu Ihren Lasten: Die entstandenen Kosten hat nach einem Urteil des Oberverwaltungsgerichts Rheinland-Pfalz (AZ 12 A 10619/05) der Hundebesitzer zu tragen.

Plakate und Infokarten zur Aufklärung
Für alle, die mitmachen wollen, über solch leichtfertiges Verhalten aufzuklären, stellt TASSO Plakate und Infokarten bereit, die Tierfreunde beispielsweise auf Parkplätzen an Supermärkten, Zoos oder Vergnügungsparks verteilen können. Das Material ist kostenlos und kann auf der TASSO-Website unter www.tasso.net/Hund-im-Backofen angefordert werden.

Bild: shutterstock.com – Julia Gaevskaya