Wer geht da eigentlich mit wem spazieren? – Leinenzerrer!

By on 6. Juli 2015

Das Bild ist wohlbekannt – die dummen Sprüche, die man dafür erntet, ebenfalls. Der Hund geht nicht in Ruhe Gassi, sondern zerrt ein stolperndes Herrchen hinter sich her.

Es ist schon erstaunlich, was für eine Zugkraft ein Zwergspaniel entwickeln kann, der sich mit voller Kraft in die Leine legt. Wenn Frauchen dabei mal kurz nicht aufpasst oder stolpert, kann sich der Mensch auch schon mal auf allen Vieren wiederfinden und der Hund ist samt Leine auf und davon.
„Wie gewöhne ich meinem Hund das Zerren ab“ ist eine der häufigsten Anfragen, die Hundetrainer erhalten.
Antworten gibt es darauf mehrere. Und mit diesen Antworten ist es wie mit Diäten – sie funktionieren ALLE – wenn man sich konsequent daran hält. Genau daran, an der Konsequenz, hapert es aber meistens.
Gehen wir mal, ganz optimistisch, davon aus, dass IHR, die ihr nun aufgrund der Überschrift Rat suchend diesen Artikel lest, euch daran haltet. Wir sprechen jetzt nicht von einem Welpen, dem von der Pieke auf beigebracht werden soll, wie er an der Leine geht. Wir sprechen von einem ganz normalen erwachsenen Hund, der davon ausgeht, dass es gut, normal und richtig ist, dass er euch hinter sich her zieht, weil ihr ihm bisher gezeigt habt, dass er damit überall da hin kommt, wo er hin will.
Zwei der Methoden die sich als überaus wirksam erwiesen haben sind folgende:

Methode 1) Da lang – nein – da lang – nein, da auch nicht – da lang …
Der Hund will vorneweg und ihr sollt hinter ihm her. Also lasst ihn rennen, bis er schräg in der Leine steht, wie sonst auch und dann wechselt die Richtung. Dreht euch einfach um und geht in die entgegengesetzte Richtung. Der Hund wird sich denken „ach DA lang!“ und an euch vorbei in die andere Richtung pesen, bis er auch dort wieder in der Leine hängt. Sobald das passiert ist, wechselt ihr wieder die Richtung. Ruhig auch mal zur Seite. Egal wohin ihr geht, der Hund wird versuchen, vorneweg zu rennen – bis er die Faxen dicke hat und neben euch stehen bleibt. Wenn er reden könnte, würde er jetzt sagen: „Kannst du dich bitte mal entscheiden?“ Wenn ihr nun wieder los geht wird es irgendwann so sein, dass der Hund nicht vorausprescht, weil er kapiert hat, dass er damit vermutlich in der falschen Richtung unterwegs ist. Er wird stattdessen euch beobachten. Damit sind zwei Dinge gleichzeitig erreicht. 1) er hängt nicht in der Leine – 2) Er ist auf euch konzentriert, was vorher nicht der Fall war. Wenn er neben euch geht, solltet ihr mit Lob nicht sparen.
Sobald er vor rennt, wechselt ihr wieder die Richtung. Klar, wer euch von weitem beobachtet, wird denken, ihr hättet einen Knall (außer er kennt die Methode, dann wird er nur wissend und zustimmend lächeln). Aber wenn ihr konsequent (!!!) dabei bleibt, dass ihr duch die Richtungswechsel nicht zulasst, dass der Hund vor euch ist, wird er irgendwann entspannt neben euch laufen.

Methode 2) Ziehen gleich Stillstand
Euer Hund will irgendwo hin und ihr kommt so schnell nicht mit – also zerrt er und erreicht damit auf dem Spaziergang letztendlich sein Ziel. Er zerrt, weil ihr ihm zu langsam seid und er gerne schneller wäre. Wenn er das macht, bleibt ihr abrupt komplett stehen. Geht keinen Millimeter weiter, sondern wartet, bis
Fifi merkt, dass es nicht weiter geht, er sich (vermutlich irritiert) umdreht und aufhört zu zerren. Entweder guckt er euch einfach nur an, oder kommt sogar ein paar Schritte zurück. Aber wenn ihr genug Geduld habt und stehen bleibt, wird er auf jeden Fall aufhören zu zerren.
Dann könnt ihr weiter gehen. Fängt er sofort wieder an zu zerren, bleibt ihr wieder abrupt stehen. Es ist eine Geduldsprobe und niemand kann sagen, wie lange euer Hund brauchen wird, um die Verbindung zu verstehen, dass sein Zerren den Stillstand verursacht. Aber wenn er das kapiert, wird er entspannt an der Leine gehen. Zu Anfang vermutlich nur ein paar Meter, bevor er wieder zerrt – aber nach und nach immer mehr, bis er sich daran gewöhnt hat, dass er insgesamt schneller voran kommt, wenn er nicht versucht, euch an der Leine zu seinem Zielort zu schleifen.
Es gibt noch weitere Methoden, die ihr in Hundeschulen und bei Hundetrainern erfahren könnt, aber, wie zu Beginn schon gesagt, funktioniert eigentlich jede dieser Versionen, solange man sie konsequent anwendet. Jeder hat schon mal gehört, wie jemand seinem Hund zugerufen hat „Komm her! KOMM HER! Dann halt nicht.“ – der Hund dieses Zweibeiners hat keine Chance Gehorsam zu lernen, denn Konsequenz ist das A&O.

Bild: shutterstock.com – Repina Valeriya