Mein Partner sieht nur noch seinen Hund!

By on 30. Juni 2015
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Wer einen Hund hat, soll sich mit ihm beschäftigen. Aber was ist, wenn darunter die Partnerschaft leidet, weil sich alles nur noch ausschließlich um ihn dreht?

Auf dem Hundeplatz konnte Jochen komplett abschalten. Der Job war vergessen, die unterschwelligen Probleme in der Partnerschaft waren wie ausgeblendet. Sein Labrador brachte ihm deutlich sichtbare Freude entgegen, begeisterte sich für die Aufmerksamkeit, die Jochen ihm entgegen brachte, war bei allem immer mit Aufmerksamkeit bei der Sache, widersprach nicht und ließ nicht einmal sarkastische Bemerkungen fallen, wenn etwas nicht sofort glückte. Hinzu kam, dass er von der Hundetrainerin ebenso viel Lob bekam, wie der Hund von ihm. Er machte etwas richtig und bekam dafür die Anerkennung, nach der er sich sehnte – in Form von Lob, sichtbarer Liebe und Zuneigung.
Jochen ist mit dieser Feststellung nicht alleine. Ein Hund ist in der Lage, Defizite auszugleichen, von denen uns nicht einmal bewusst ist, dass wir sie haben. Wer von uns wird schon dafür gelobt, dass er die Spülmaschine ausgeräumt hat oder dafür, dass er die Akten einer Kartei auf den aktuellen Stand gebracht, oder Toner nachgefüllt hat? Bei unserem Hund reicht es aber schon, wenn wir einen Ball werfen und er überschlägt sich fast vor Freude und steht danach mit leuchtenden Augen vor uns, damit wir es nochmal machen.
Die wenigsten Chefs, die wenigsten Kunden und kaum ein Nachbar oder auch Ehepartner steht mal mit so leuchtenden Augen vor uns, weil wir irgendetwas toll gemacht haben.
Wenn der Partner sich also plötzlich komplett in die Beschäftigung mit dem Hund zurück zieht, dann sollte man sich fragen, was er eventuell vom Hund bekommt, was der Alltag nicht mehr erbringen kann.
Wichtig ist dabei, dass man nicht mit Vorwürfen beginnt, sondern im Gegenteil sagt, dass man traurig ist, weil man den Partner vermisst, weil er zwar anwesend, aber irgendwie trotzdem nicht da ist.
Ein solches Gespräch darf man nicht als Streit beginnen, sondern muss es ganz in Ruhe angehen, weil der Partner ansonsten sofort in einer Verteidigungsposition ist – und aus der heraus wird er – wie ein Hund, den man in die Ecke drängt – vermutlich „beißen“.
Es gilt in dieser Situation zu versuchen, beide Seiten zu betrachten – und da darf der Hund dann ruhig dabei sein, denn er gehört ebenfalls zur Familie.
Man sollte versuchen, einen Weg zu finden, der die Bedürfnisse beider Partner erfüllt. Ein Schritt dahin kann zum Beispiel sein, die Dinge, die der Partner nur noch alleine mit dem Hund gemacht hat, zu dritt zu tun. Spaziergänge am Strand oder im Wald, den Hund gemeinsam baden, Ball- oder Suchspiele zu dritt – die Möglichkeiten sind vielfältig.
Eine Partnerschaft, die – egal warum – etwas auseinandergedriftet ist, benötigt immer auf beiden Seiten den Willen und die Bereitschaft, etwas zu tun und zu reden. Der Partner, der sich alleine fühlt, muss auf die Beigeisterung für den Hund etwas eingehen können, denn er kann nicht erwarten, dass der Hund plötzlich nicht mehr zählt. Der Hundenarr muss im Gegenzug ab und zu von seinem geliebten Vierbeiner lassen und den Abend mal nur mit dem zweibeinigen Partner verbringen. Wenn dieser dann deutlich macht, wie schön er das findet, ist man auf dem richtigen Weg.

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