Mein Hund ist wirklich stinkefaul!

By on 27. Juni 2015
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Andere Hunde rennen quietschvergnügt über die Wiese und der eigene Hund trottet gelangweilt an der Leine hinterher – warum?

Dackel Jockel läuft so langsam an der Leine, dass Frauchen Regina ständig anhalten muss, um den Hund nicht zu zerren. Irgendwann setzt Jockel sich sogar hin und es macht nicht den Eindruck, als wolle er so schnell wieder aufstehen. Mit mäßigem Interesse beobachtet er ein paar Enten, die wenige Meter vor ihm eigentlich ein hervorragendes Jagdobjekt abgeben würden, würde der Dackel sich auch nur im entferntesten für sie interessieren.
Warum können einige Hunde vom Rennen nicht genug bekommen und andere latschen nur unmotiviert an lang gezogener Leine hinter ihren Haltern her?
Es gibt diverse mögliche Gründe, warum der Hund sich so verhält.
– Er ist uralt: Ein alter Hund wird zwangsläufig, wie alle Lebewesen, langsamer, bequemer und hat weniger Interesse daran, sich in wildem Spiel oder bei ausgiebigem Rennen auszupowern. Möglicherweise hat er sogar durch reine Verschleißerscheinungen leichte Schmerzen in den Gelenken oder er sieht nicht mehr so gut. Einem alten Hund sollte man einfach die Zeit erlauben, die er für ein paar Meter ums Haus herum benötigt. Wichtig ist jedoch, dass man die Bewegung nicht einstellt, sondern weiter mit ihm raus geht – aber in seinem Tempo.
– Er ist krank: Angefangen von starkem Übergewicht über Allergien bis hin zu gefährlichen Herz-Kreislaufschwierigkeiten, gibt es diverse gesundheitliche Probleme, die einen Hund behäbig werden lassen. Wenn also nichts anderes zuzutreffen scheint, sollte man den Hund dem Tierarzt vorstellen.
– Er verträgt das Wetter nicht: Wenn es brütend heiß ist, bewegen auch wir uns nicht gerne. Hunden ergeht es nicht viel anders. Hier sollte man nicht den „gemächlichen“ Hund zum Rennen auffordern, sondern im Gegenteil den rennenden Hund ein wenig zur Ruhe ermahnen, ihn im Schatten halten und darauf achten, dass er immer ausreichend zu trinken hat, damit er weder einen Sonnenstich, noch einen Hitzschlag erleidet.
– Er ist einfach platt: Hunde ruhen/schlafen 18-21 Stunden am Tag. Welpen oft sogar noch mehr. Wenn man einem Hund dauerhaft die Möglichkeit nimmt, diese Stunden zu ruhen, leidet er, ebenfalls wie wir Menschen, an Schlafmangel. Das kann sowohl Aggression, als auch Ängstlichkeit und nicht zuletzt auch Faulheit bewirken. Der Hund ist einfach müde.
– Er hat wirklich einfach keinen Bock: Das liegt manchmal daran, dass er auf seiner Gassistrecke, auf der außer ihm kein Hund entlang kommt, keinerlei Eindrücke vorfindet, die für einen Hund spannend sein könnten. Der 8754372078te Gang am selben Rinnstein entlang ist einfach nicht mehr aufregend und warum sollte man sich dann beeilen? Man latscht den Weg genauso unmotiviert ab, wie Herrchen es tut, der dabei dann gerne auf sein Handy starrt, anstatt sich mit dem Hund zu beschäftigen. Denn – pssssst – faule Hunde haben (keineswegs immer, aber) machmal faule Herrchen. Und die wundern sich dann, wenn bei der einen Gelegenheit, bei der sie sich dazu aufraffen können einen Ball zu werfen, der Hund dem Ding nur hinterher guckt, als wolle er sagen: „Musste der weg? Der war doch eigentlich noch gut.“ Wenn dieser Stand erreicht ist, hilft auch kein zweimal geworfener Ball mehr. Der Hund hat sich daran gewöhnt, keine Lust zu haben. Jetzt hilft nur noch ehrliches, ernst gemeintes Interesse vom Halter. Denn das Einzige, das den Hund jetzt noch wirklich erreichen kann, ist eine echte Emotion seines Zweibeiners, die der Hund spüren kann. Hunde möchten sich nicht alleine beschäftigen, sie möchten Miteinander. Man sollte Verschiedenes ausprobieren, vom gemeinsamen Joggen, über Ballspiele, bis hin zum Agility oder einer Hundegruppe. Wer die Geduld hat, seinem Hund über einen längeren Zeitraum zu zeigen, dass er wirklich spielen möchte, der wird damit mit großer Wahrscheinlichkeit nicht beim ersten Versuch, aber auf Dauer Erfolg haben.

Bild: shutterstock.com – Ivonne Wierink