Der Hund als Luxusgegenstand

By on 21. Juni 2015
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Wer in der Welt der Großen und Mächtigen gut aussehen will, der hat einen teuren Hund.

Die britische Königin gehört zu den wenigen prominenten Menschen dieser Welt, von denen man mit Sicherheit sagen kann, dass sie ihre Corgies nicht als Statussymbol hält, sondern weil sie total in ihre Hunde vernarrt ist.
Wann immer sie die Möglichkeit hat, sieht man sie mit ihrem Kopftuch und umringt von einem ganzen Rudel fröhlicher Corgies auf ihrem Landsitz spazieren gehen. Sie genießt die Gegenwart der Hunde, und die Hunde genießen ihre Gegenwart.
Leider stellt die Königin damit tatsächlich eine Ausnahme dar.
Ein weiterer Promi, der lange Zeit selten ohne Hund zu sehen war, ist Hotelerbin Paris Hilton. Handy am Ohr, die Haare vom Starfriseur gestyled, mit einer Sonnenbrille, die mehr kostet, als mancher Arbeiter in sechs Monaten verdient, vom Schmuck und der Designerkleidung gar nicht zu reden – und im Arm ein kleiner Hund … Ihre „Tinkerbell“ gehörte zu Paris Hilton wie die Handtasche – und war auch genauso austauschbar.
Irgendwann geriet Paris damit in die Schlagzeilen, weil es so aussah, als ob es sich gar nicht um einen einzelnen Hund handelte, sondern dass sie mehrere besaß, damit immer einer zur Verfügung stand, der gerade gut gelaunt und gesund war. Für den Preis eines der Hemdchen, die (die jeweilige) Tinkerbell trug, kann eine normale Familie für ihr Kind vermutlich eine komplette Winterausstattung an Kleidung kaufen.
Es ging bei Tinkerbell nicht darum, dass Paris einen Begleiter haben wollte, sondern darum, dass es schick ist, ein kleines Hündchen durch die Gegend zu tragen. So, wie auch ein Armband schick ist oder ein toller Lippenstift.
Der entscheidende Faktor bei diesem Hund war, dass er teuer war.
Das Verrückte daran ist, dass es sich deshalb nicht einmal um ein – nach Zuchtstandard – besonders tolles Tier handeln muss, es muss nur teuer sein und optisch etwas her machen. Entweder sollte der Hund besonders elegant aussehen oder besonders niedlich.
Das ist auch der Grund, warum man bei Prominenten selten unscheinbare Hunde findet. Sie sind entweder sehr groß, sehr schlank oder sehr niedlich.
Aber warum sind Hunde in einigen Schichten so sehr zum Accessoire verkommen, dass sie sogar auf Modeschauen über den Laufsteg getragen und in Mode-Photoshootings mit ins Bild gesetzt werden?
Weil sie ein besonderes Accessoire sind. Es ist lebendig, man kann damit spielen – und es ist einfach zu handhaben.
Man wird ein Promi-Sternchen niemals mit einer Katze auf dem Arm in der Öffentlichkeit sehen – die würde sich nämlich wehren, sobald sie keine Lust mehr hat. Ein Hund hingegen, hält, wenn er entsprechend erzogen oder vom Typ her einfach so ist, auch unbequeme Situationen in aller Seelenruhe aus. Das ist auch ein Grund, warum Miss Hilton niemals einen Australian Shepherd haben wird – weil dieser vom Wesen her nicht so ruhig bleiben würde wie ihre arme Tinkerbell.
Hunde können unter Umständen vollkommen unverhältnismäßig teuer sein. Damit laufen sie dann in derselben Kategorie wie der Diamantring und das Sportauto. Sie sind nett zu verschenken, sie beschweren sich nicht, und wenn sie lästig werden, gibt man sie dem Personal, oder man gibt sie ab.
Hunde sind also so lieb zu uns Menschen, dass sie es den Menschen verdammt einfach machen, sie als Accessoire zu missbrauchen. Schade, dass nicht ab und zu mal einer dieser Luxushunde seinen Besitzer kräftig in den chanel-parfümierten Hintern beißt!