Die Geburt

By on 7. Mai 2015
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»Jede Geburt ist ein Wunder der Natur«

Eine Hundegeburt ist ein sehr schönes, aufregendes und einmaliges Erlebnis. Allerdings gibt es vieles zu wissen und zu beachten.
Wurde eine Hündin erfolgreich von einem Rüden gedeckt, ist sie im Durchschnitt ca. 60-63 Tage tragend. Sollte sich die Trächtigkeit über diesen Zeitraum hinaus ziehen, so sind häufig Probleme zu befürchten und es sollte dringend ein Tierarzt aufgesucht werden.
Probleme vor der Geburt können z.B. dann entstehen, wenn die Welpen zu groß sind, falsch liegen, einzelne Welpen nicht mehr leben, oder die Hündin nur einen einzigen Welpen trägt.
Ein-Hund-Trächtigkeiten stellen ein großes Problem dar, da die Geburt durch Hormonausschüttung der Welpen eingeleitet wird. Bei nur einem Welpen ist die Hormonkonzentration häufig zu gering um eine Geburt auszulösen.
Deswegen empfiehlt es sich, neben regelmäßigen Ultraschall-Terminen, kurz vor dem errechneten Geburtstermin ein Übersichts-Röntgenbild anfertigen zu lassen, um zu sehen wie viele Welpen die Hündin trägt. 07
Während der Trächtigkeit ist es wichtig auf eine gesunde und speziell auf die Bedürfnisse der Hündin abgestimmte Ernährung zu achten. Sie hat in dieser Zeit einen erhöhten Energie- und Kalzium-Bedarf bei gleichzeitig erniedrigter Menge, die sie pro Mahlzeit zu sich nehmen kann. Es sollten deswegen mehrmals täglich kleinere Mengen hochverdaulichen Futters gefüttert werden.
Zusätzlich sollte die Hündin bis spätestens eine Woche vor dem bevorstehenden Geburtstermin an die sichere, saubere, leicht zu reinigende und gut temperierte Wurfkiste gewöhnt werden.
Um einer Spulwurm-Infektion (Toxocariose) der Welpen vorzubeugen sollte die Hündin während der Trächtigkeit regelmäßig entwurmt werden. Diese Wurmkuren schaden den Welpen nicht, sondern schützen sie.
Die Welpen infizieren sich über die Plazenta oder die Muttermilch häufig mit Spulwürmern. Dieses liegt daran, dass viele Hündinnen mit ruhenden Larvenstadien von Toxocara canis infiziert sind, die um den 40. Trächtigkeitstag herum, mit sich veränderndem Hormonstatus der Hündin, aktiviert werden. So kann dann ein Großteil der Larven über die Plazenta in die Leber, aber auch in andere Organe wie Nieren, Muskeln oder Gehirn der Foeten wandern und erhebliche Schäden anrichten.
Fallen einem vor, während oder nach der Geburt Verschlechterungen am Allgemeinbefinden der Hündin (oder der Welpen) auf, so ist ein Tierarzt schleunigst zu konsultieren. Es empfiehlt sich immer eine Notfall-Telefonnummer seines Tierarztes oder einer Tierklinik bereit liegen zu haben und zu wissen, wo man im Notfall auch nachts um 3 hinfahren und Hilfe bekommen kann.
Ungefähr eine Woche vor dem errechneten Geburtstermin sollte man beginnen 2-3 Mal täglich die Körpertemperatur der Hündin am After zu messen, da ca. 80% der Hündinnen 24-36 Stunden vor Beginn der Wehen einen deutlichen Abfall der Körpertemperatur zeigen. Dieser gilt als sehr guter Geburtsindikator, also als Zeichen dafür, dass es bald los geht!
Kurz vor Beginn der ersten Wehen löst sich ein Schleimpfropf, der Muttermund öffnet sich und ein klarer, zähflüssiger Schleim kommt raus. Die Eröffnungswehen stellen sich durch eine unruhige Hündin mit starkem und häufigem Harndrang und Kotabsatz dar. Diese können bis zu acht Stunden dauern. In dieser Zeit weitet sich der Gebärmutterhals. Anschließend folgt die sogenannte Austreibungsphase. Der erste Welpe gelangt durch wellenförming auftretende Wehen in den Geburtskanal. Die Fruchtblase platzt und erleichtert zusätzlich den Geburtsvorgang. Durch weitere Wehen gelangt der Welpe dann in einer grünlich / gelblich gefärbten Fruchthülle und der Nabelschnur nach außen. Die Hündin fängt in der Regel sofort an ihren Welpen sauber zu lecken. Hier sollte man nach Möglichkeit nicht eingreifen und die Hündin selbst machen lassen. Das Lecken regt nicht nur Durchblutung und Kreislauf an, sondern dient zusätzlich der ersten körperlichen Bindung zwischen Hündin und ihrem Welpen. Der Welpe wird von der Mutter aus der Hülle befreit und die Lungenatmung setzt ein. Atmet der Welpe nicht selbstständig, so sollte man ihn in die Hände nehmen, ordentlich mit einem Handtuch am Bauch und Rücken abrubbeln und den Kopf mit zwei Fingern fixiert nach unten zeigen lassen, sodass versehentlich abgeatmetes Fruchtwasser aus der Nase laufen kann.
Die Hündin durchtrennt die Nabelschnur in der Regel selbst. Passiert dies nicht, kann man die Nabelschnur ca. 2cm vor dem Nabel des Welpen mit einem reißfesten Bindfaden abklemmen und durchtrennen.
Eine Hundegeburt dauert in der Regel zwischen 6 und 12 Stunden. Ist das Zeitintervall zwischen der Geburt zweier Welpen länger als 3 Stunden, oder die Geburt nach 12 Stunden nicht beendet, so sollte man sicherheitshalber einen Tierarzt aufsuchen. Dieser kann evtl. durch einmalige Oxytocin-Gabe die Geburt unterstützen oder muss unter Umständen einen Kaiserschnitt einleiten, falls Komplikationen sichtbar sind.
Reste der Nachgeburt lösen sich langsam innerhalb von 2-3 Wochen nach der Geburt. Der sogenannte Lochialausfluss ist zunächst grünlich, später rötlich trüb und stellt sich in der 3. Woche als klarer Schleim dar. Auf eine gute Hygiene der Wurfbox und weiteren Umgebung der Hündin sollte gerade in diesem Zeitraum streng geachtet werden.
Letztlich ist zu sagen, dass die Welpenaufzucht nicht nur ein 24 Stunden Job ist, sondern auch viel Geld kostet und gut überlegt sein sollte.
Wer Hunde züchtet, sollte dies mit Verstand und Bedacht tun, verantwortungsbewusst handeln und nur gesunde Hunde mit gesunden Vorfahren miteinander verpaaren und auf das Unterstützen von Qualzuchten verzichten. Die Hundegesundheit sollte immer im Fokus stehen – den Hunden, aber auch den zukünftigen Welpenbesitzern zu Liebe.

Text: Tierärztin Andrea Held

Bilder: shutterstock.com – cynoclub, foto ARts