Welpentraining

By on 23. September 2013

Was für spätere Ballerinas die „tänzerische Gymnastik“, was für spätere Pianisten die „musikalische Früherziehung“ ist – das ist für den späteren gut erzogenen Hund das spielerische Welpentraining – es ist mehr Spiel als Ernst, aber es beinhaltet die ersten, zarten Schritte in die richtige Richtung und legt damit einen wertvollen Grundstock, der später alles einfacher macht.

So unglaublich aufmerksam Welpen auch sind, sie können sich in der Regel nur 5 bis 10 Minuten wirklich konzentrieren. Man sollte nicht versuchen, ihnen viel mehr abzuverlangen, aber auch in diesen wenigen Minuten kann eine kleine Fellnase mächtig viel lernen (Vorsicht: zu dem „mächtig viel“ gehört, wenn man nicht aufpasst, auch „mächtig viel Quatsch“.) Zu den ersten und wichtigsten Kommandos, die dein Welpe erlernt, sollten „Pfui“ und „Aus“ und „bei Fuß“ gehören, denn sie können ihm in Fall von Giftködern oder anderen Gefahrensituationen das Leben retten.
Kommando „Aus!“: Für das Training dieses Kommandos kommt einem der Spieltrieb der Winzlinge entgegen. Jeder Welpe liebt kleine Bälle, die er „jagen“, ergattern und dann herumtragen kann. Wenn der Welpe den Ball hat, nimmt man ihm diesen aus dem Maul heraus und sagt dabei „Aus“. Wenn er den Ball nicht herausrücken will, fasst man ihm über die Schnauze und löst den Ball, indem man von oben leicht gegen die Lefzen drückt. Irgendwann lässt er den Ball dadurch fallen – dann ist sofort Belohnung angesagt. Es wird nicht lange dauern, bis er beim Wort „Aus“ den Ball selbständig fallen lässt. Eine wichtige Lektion ist gelernt, um gefährliche Dinge schnellstmöglich aus dem Maul der Fellnase heraus zu bekommen.

Kommando „Bei Fuß!“: Da ein Welpe am Anfang mit diesen Worten natürlich noch gar nichts anfangen kann, übt man das Kommando am besten über einen Umweg, nämlich über den Gang an der Leine. Damit der Hund die Leine nicht als negativ empfindet, setzt man sie zum Beispiel erst einmal in der Wohnung ein. Man kann sich ein Leckerchen an den Oberschenkel halten, auf einer Höhe, die der Welpe nicht erreichen kann. Wenn man dann ein paar Meter geht und der Welpe an der lockeren Leine mitgeht, weil er ja das Leckerchen will, klopft man sich seitlich an den Oberschenkel und ruft „Bei Fuß“. Wenn er dabei tatsächlich brav neben dir läuft, ohne zu zerren oder herum zu springen, dann ist das natürlich eine Belohnung wert. Auch diese Übung ist für den Welpen pures Spiel. Die Nähe zu seinem Menschen und wird obendrein durch die Belohnung sehr positiv verstärkt.
Zu guter letzt kommt das Kommando „Pfui“ oder wahlweise auch „Nein“: Das ist nicht ganz so einfach, weil es sich auf etwas weniger konkretes Bezieht. Wer auf die (leider häufig praktizierte Methode) verzichten möchte, dem Hund unmittelbar nach dem Kommando, wenn er es nicht umgesetzt hat, einen Klaps zu verpassen, oder ihn zu erschrecken, der kommt ganz sicher mit der „Tauschmethode“ sehr viel besser zurecht. Im Gegensatz zur Bestrafungsmethode, wird hier wieder positiv verstärkt.

Der Welpe möchte etwas aufnehmen. Das Kommando „Pfui“ wird ausgerufen. Blickt der Welpe durch den Ausruf in deine Richtung, hast du ein tolles Leckerchen für ihn parat, dass verführerischer ist, als das, was er aufnehmen wollte. Man erreicht zu Beginn also lediglich, dass der Hund, wenn er „Pfui“ hört, weiß, dass er jetzt etwas Leckeres bekommt, wenn er zu dir kommt. Aber auf Dauer bewirkt dieses Spiel, dass der Hund generell das, für was er sich gerade interessiert, links liegen lässt, wenn er das Kommando „Pfui“ oder „Nein“ hört. Man sollte übrigens, wenn man sich einmal für ein Wort entschieden hat, immer bei diesem Wort bleiben. Alles andere wäre für die kleine Fellnase nur verwirrend.

Welpen erzieht man, noch mehr als erwachsene Hunde, mit ganz viel Verführung. Natürlich käme man auch mit anderen Methoden ans Ziel, aber warum sollte man agressiv oder negativ vorgehen, wenn es auch positiv funktioniert? Klar – das braucht üblicherweise etwas mehr Zeit … aber wir haben uns den Welpen ja auch nicht zugelegt, um noch länger regungslos vor dem Fernseher zu sitzen, oder?
Beschäftigt euch mit eurem Welpen! Je näher er euch ist, je mehr ihr euch mit ihm beschäftigt, je mehr ihr mit ihm spielt, umso intensiver wird er auf euch und dadurch auch auf die Kommandos fixiert sein, die ihr ihm gebt. Je früher ein Hund etwas lernt, desto tiefer ist es in ihm verankert.

Foto: shutterstock.com – beltsazar