Der bissige Hund

By on 17. September 2013

Gehen wir mal davon aus, dass es sich bei dem Hund von dem die Rede ist, nicht um einen Vierbeiner handelt, der gezielt zur agressiven Beißmaschine erzogen wurde, sondern um eine ganz normale Fellnase, die plötzlich zuzuschnappen droht – was tut man dann?

Kaum ein Hund ist ein unberechenbarer Killer. Sie kennen kein „gut“ und „böse“ und in vielen Fällen sind Angst und Unsicherheit der Auslöser für aggressives Verhalten.
Aus diesem Grund ist es sinnlos und sogar kontraproduktiv, den Hund für drohendes Verhalten zu bestrafen. Zum einen kann es passieren, dass er die Bestrafung als Bedrohung auffasst und seine Aggression dann gegen den Bestrafer richtet und zum anderen verunsichert man aus Angst drohende Tiere damit nur noch mehr und verstärkt damit das Problem, selbst wenn im ersten Moment scheinbar alles wieder gut ist. In der nächsten Situation wird der Hund wieder genauso reagieren.
Es nützt nur etwas, dem Hund beizubringen, dass es für ihn Alternativen gibt. Er kann sich zum Beispiel auf seinen Besitzer konzentrieren. Dafür ist allerdings ein gut durchdachtes Trainingskonzept und sehr viel Vertrauen von beiden Seiten notwendig.
Leider sind die Ursachen die hinter ständiger Aggression stecken nur selten einfach zu erkennen und daher in der Regel ein Fall für den professionellen Hundetrainer, der mit geschultem Blick auch kleinste Details deuten kann. Aber es hilft schon, selber die Unterschiede in der Art der Aggression zu erkennen. Das wichtigste ist es, zu sehen, ob der Hund die Konfrontation vermeiden will, oder ob er tatsächlich einen Angriff plant.
Sind die Ohren angelegt, die Stirn glatt und die Körperhaltung insgesamt geduckt, ist der Hund zwar aggressiv, aber höchst wahrscheinlich weil er sich bedroht fühlt und sich nur für den Zweifelsfall für die Verteidigung bereit hält. Einen offenen Kampf sucht er wahrscheinlich nicht.
Anders sieht die Sache aus, wenn der Hund ganz offensiv droht und sich dabei mit dem Körper sehr präsent nach vorne lehnt, die Gelenke durchdrückt, die Mundwinkel nach unten und hinten zieht und seinen Gegenüber mit dem Blick fixiert. Diese Art der Aggression resultiert oft aus einer Konkurrenzsituation oder der Hund ist frustriert oder verteidigt etwas oder jemanden.

Wer so einem Hund, egal ob offensiv oder defensiv aggressiv, gegenübersteht, sollte hektische Bewegungen und Schreie vermeiden. Auch sollte man ihm nicht in die Augen sehen, sondern stattdessen sogar den Oberkörper leicht von ihm abwenden und etwas rückwärts gehen.
Für den Fall, dass der Hund sein Verhalten dabei intensiviert, sollte man einfach still stehen bleiben und ihn völlig ignorieren. Wenn der Hund noch halbwegs bei Sinnen ist, wird er das als Beschwichtigungsgeste deuten und sich schnell beruhigen und dann vermutlich sogar weg gehen.
Es gibt übrigens viele Hunde, die nicht deshalb beißen, weil sie aggressiv sind, sondern weil sie gerade mächtig viel Spaß beim Spielen haben. Diese Bisse sind zwar nicht so gefährlich wie der Angriff eines aggressiven Hundes, aber sie können trotzdem viel Schaden anrichten, vor allem wenn dabei Finger oder gar das Gesicht des Menschen betroffen sind. Man sollte daher Hunden von Anfang an beibringen, im Spiel nicht nach dem Menschen zu schnappen (und ja: wir wissen WIE drollig es ist, wenn uns die Mini-Welpen mit quietschenden Knurr-Lauten harmlos beim Toben in die Finger zwicken – aber sie lernen dabei leider auch, dass es ok ist, das zu tun – also: abgwöhnen!)
Auch wenn auch Kinder instinktiv begreifen, wenn ein Hund aggressiv ist, erkennen sie aber leider oft die Zeichen nicht, die das Tier vorab schon längst gegeben hat. Daher sollte man Kinder grundsätzlich nicht mit Hunden alleine lassen – schon gar nicht, wenn bekannt ist, dass das Tier zur Aggression neigt. Und selbst kleine Kinder sollten die Regeln im Umgang mit Hunden beigebracht bekommen.

Bild: shutterstock.com – Annette Shaff