Hunde-Sport im Verein

By on 28. Februar 2013

Für viele Hundebesitzer ist Agility ein Sport, bei dem man in einem Hundeverein, gemeinsam mit seinem Hund, etwas für die eigene Gesundheit und das Wohlbefinden tun kann. Für andere ist dieser Sport neben der Vereinsgeselligkeit jedoch eine Herausforderung mit Ambitionen zu Höchstleistungen.
Dafür wird oft monatelanges, intensives und konsequentes Training in Kauf genommen, mit dem Hauptziel, auf einem Agility-Turnier eine Bestleistung zu erzielen.

Der „Gebrauchshunde-Sportverein DVG-MV Budberg-Baerl e.V.“ besteht bereits seit 62 Jahren und hat zur Zeit 53 Mitglieder. Es ist ein kleiner, bodenständiger Verein am ländlichen Niederrhein.
Ich sprach mit der 1. Vorsitzenden und Trainerin Simona Marquard, die mich im Interview informierte: „Neben unseren Mitgliedern haben wir einige Gast-Personen mit Hund, die eine Ausbildung gebucht haben. Sie wollen erst einmal sehen, ob das etwas für sie und ihren Hund ist. Danach können sie entscheiden, ob sie ihren Hund weiter ausbilden möchten oder nicht.“
„Welche Ausbildungen bietet ihr diesen Nichtmitgliedern an?“
„In der Regel ist das am Anfang die Basis- bzw. Grundausbildung. Landläufig heißt das auch ,Unterordnung’. Dabei wird dem Hund erst einmal das 1×1 beigebracht, wie das bei Fuß gehen, korrekt an der Leine laufen, Sitz, Platz, dass er liegenbleibt, auch dann, wenn der Hundeführer mal weg geht etc. Dann bieten wir Obedience. Das ist eine Erweiterung, nämlich Unterordnung in Perfektion. Dazu gehört beispielsweise Apportieren, wobei ein Holzklotz zurückgebracht werden muss. Eine andere Übung dient der Geruchsförderung. Es werden dabei mehrere Hölzer unterschiedlich ausgelegt, von denen der Hundeführer nur ein einziges angefasst hat. Genau dieses Holz muss der Hund erriechen und zurückbringen.
Ja, und dann bieten wir Agility an. Das ist inzwischen die wohl bekannteste und beliebteste Freizeit-Sportart. So komisch es vielleicht klingt, aber bei Agility muss der Hundehalter am Anfang mehr oder zumindest genau so viel lernen, wie sein Hund, denn er muss seinen Vierbeiner nicht nur entsprechend erziehen, sondern auch ein enges Vertrauensverhältnis aufbauen. Das ist nötig, damit er seinen Hund beim Agility in der richtigen Reihenfolge durch den Parcours leiten kann, ganz egal, ob er das aus einiger Enfernung tut, oder ob er nebenher läuft und dabei seinem Hund alles mit Handzeichen zeigt.
Agility wird immer beliebter, weil man sich einerseits zusammen mit dem Hund gleichzeitig sportlich bewegen und auch entspannen kann, und andererseits, weil man sich dabei mit anderen messen kann, nämlich auf entsprechenden Agility-Turnieren.“
„Wie sind die Einsteiger mit den Ausbildungserfolgen zufrieden?“
„Wir gestalten die jeweilige Ausbildung nicht 08/15. Jeder Hund ist anders und so gibt es Hunde, die arbeiten und verstehen schnell und andere, die brauchen viel länger. Wir nehmen uns für jeden Hund die nötige Zeit und somit kommen wir eigentlich bei jedem Hund an das erwünschte Ziel. Darum haben wir auch keine Halter, die unzufrieden sind.“
„Wie entwickelt sich der Trend zu solchen Grundausbildungen?“
„Viele Medien, insbesondere das Fernsehen, haben erkannt, dass das Interesse an Informationen über Hunde sehr groß ist. Das liegt daran, dass sich immer mehr Menschen einen Hund anschaffen, dann aber überfordert sind, weil sie nicht wissen, wie sie ihn erziehen sollen. In den Sendungen wird immer wieder darauf hingewiesen, dass Hundeschulen bei Problemen helfen können, und damit entschließen sich Hundehalter immer öfter das Angebot der Schulen zu nutzen. Das spüren auch wir. Damit ist eine Lawine losgetreten, denn die zufriedenen Hundehalter erzählen es weiter und somit wird der Kreis der Interessenten immer größer. Man kann aber sagen, dass die Ausbildung in Hundeschulen nicht nur ein augenblicklicher Modegag ist, sondern ein nötiger Bedarf. Der Hund ist glücklich, weil sein Herrchen nicht dauernd falsch reagiert, und Herrchen ist glücklich, weil sein Hund endlich das tut, was von ihm erwartet wird.“
Ein paar Tage später war ich wieder auf der gleichen Hundesport-Anlage, die nun aussah wie ein Kirmesplatz. Diesmal wurde ein Agility-Turnier ausgetragen, zu dem von den umliegenden Vereinen zahlreiche Akteure eingeladen waren. Rund um den Innenplatz hatten die Teilnehmer Zelt an Zelt aufgebaut. Die Anlage quoll über mit Menschen und Hunden. Die beim ersten Besuch erlebte Ruhe und Idylle hatte sich in das arbeitsame Gewusel eines Ameisenhaufens verwandelt. Die einzelnen Hindernisse waren mit Nummern versehen und viele Teilnehmer waren schon damit beschäftigt, den später zu laufenden Parcours, also die vorgegebene Strecke, abzuschreiten.

Ich fragte Frau Marquardt: „Wieviele Starter haben sich zum heutigen Agility-Turnier angemeldet?“
„Es sind hundert Teilnehmer dabei, also auch hundert Hunde. Gestartet wird in den drei Kategorien A1, A2 und A3. Man kann sie auch als Leistungsgruppen bezeichnen. Die A1 ist die sozusagen leichte, bzw. die Einsteigerklasse. Die A2 ist die mittelschwere und die A3 die schwere Klasse. In der A1 sind in der Regel die Neustarter, die hier ihr erstes Turnier haben und noch nicht so erfahren sind. Die A2 ist die Klasse für alle, die Agility schon eine Weile betreiben und A3 ist etwas für richtig austrainierte Mensch/Hund-Teams.“
„Ich nehme an, dass es hier auch, wie üblich, in jeder Klasse noch einmal die Unterteilung in Größen gibt.“
„Das ist richtig. Wir haben in allen 3 A-Kategorien, bzw. Leistungsgruppen jeweils 3 Größengruppen, nämlich einmal large (L), das sind Hunde mit einer Widerristhöhe ab 43 cm. Dann die Medium (M), die gehen von 35 bis 43 cm und in die Gruppe Small (S) gehören Hunde mit einer Widerristhöhe unter 37 cm, bei einer Sprunghöhe von maximal 35 cm. Für die drei Größengruppen werden natürlich unterschiedliche Höhen eingestellt, denn ein kleiner Yorky kann schließlich nicht so hoch springen, wie ein Schäferhund.“
„Wie lange dauert ein Durchgang je Hund?“
„In der A1, also der leichten Gruppe kann man mit etwa 60 Sekunden, also einer Minute rechnen. Die Zeit wird gestartet ab dem Überspringen des ersten Hindernisses und endet mit dem Bewältigen des letzten Hindernisses. Nach dem Lauf wird noch der Microchip des Hundes kontrolliert und der Lauf ist für das Team abgeschlossen.
Natürlich kommen dann ein paar Zeiten hinzu, für das Registrieren vom Starter-Team und am Schluss vom benötigten Zeit nehmen usw.“
„Und das gesamte Turnier?“
„Es geht morgens um 9.00 Uhr los und endet heute wahrscheinlich um 16.00 Uhr. Das ist dann schon mit der Preisverleihung und Übergabe der Pokale.“
„Auf dem Parkplatz habe ich an den Auto-Nummernschildern gesehen, dass die Teilnehmer aus den unterschiedlichsten Städten der näheren und weiteren Umgebung kommen. Sind die auch alle aus anderen Vereinen?“
„Diejenigen, die von auswärts kommen, sind aus Vereinen, mit denen wir schon seit Jahren Kontakt haben. Mal laden wir die ein, mal werden wir von denen eingeladen. Es ist immer ein freundschaftliches hin und her.“
Ich kann nur jedem Hundehalter und Hundeliebhaber raten, solche Veranstaltungen zu besuchen. Es gibt immer etwas zu sehen und Kaffee und Kuchen ist auch stets in großer Auswahl vorhanden. Hundevereine, insbesondere, wenn es um Veranstaltungen geht, sind etwas für die ganze Familie. Eure Gitti

Gebrauchshundesportverein Budberg
Rheinberger Straße
47495 Rheinberg
www.Hundeverein-budberg-baerl.de

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